Das Gesundheitswesen ist einer der dynamischsten Wachstumsmärkte in Deutschland. Dies
erfordert von den medizinischen Leistungserbringern ein besonders innovatives Management.
Es kann aber nur dann seine vollen Früchte tragen, wenn die Politik die entsprechenden
Voraussetzungen schafft. Soll der Gesundheitsbereich weiterhin ein Wachstumsmotor
bleiben, sind nachhaltige und zukunftsorientierte Finanzierungsmodelle notwendig,
die dies erlauben. Die letzte Gesundheitsreform jedoch ebnete den Weg in ein zentralistisches
Gesundheitswesen. Die gesetzlichen Vorgaben liefern weder eine Lösung der Einnahmeproblematik
der gesetzlichen Krankenversicherung noch belohnen sie effizientes Arbeiten, was wiederum
die Investitionskraft schwächt.
Rationalisierungsdruck für die Krankenhäuser
Rationalisierungsdruck für die Krankenhäuser
Die Gesundheitsreform schlägt sich für die Krankenhäuser am deutlichsten in der Sanierungsabgabe
nieder. Knapp 400 Millionen Euro tragen die Krankenhäuser zur finanziellen Unterstützung
der gesetzlichen Krankenversicherung bei. Dies ist zwar weniger als der ursprünglich
vorgesehene Betrag von 500 Millionen Euro, das Resultat aber bleibt das Gleiche: In
Zusammenhang mit den weiteren Belastungen, die sich aus den neuen Tarifverträgen,
dem Arbeitszeitrecht, der Mehrwertsteuererhöhung und der Energiekostenentwicklung
ergeben, werden die Krankenhäuser in naher Zukunft unter einem erhöhten Kosten- und
damit Rationalisierungsdruck stehen.
Trotz dieser Erkenntnis, die den verstärkten Einsatz betriebswirtschaftlicher Instrumente
zur Folge haben müsste, zeichnen sich als Resultat der Gesundheitsreform Verstaatlichungstendenzen
ab. Die in den 1990er-Jahren noch präferierte Selbstverwaltung wird zunehmend ausgehöhlt.
Exemplarisch zeigt sich das bei der neuen Organisation des gemeinsamen Bundesausschusses.
Schwerwiegender jedoch sind die Versäumnisse bei der Umsetzung eines neuen Finanzierungsmodells.
Die beschlossene Einführung des sogenannten Gesundheitsfonds ab 2009 wird zu einer
Zentralisierung in der Krankenversicherung führen, an deren Ende die staatliche Einheitskasse
stehen kann. Dieser Weg wird auch nicht ohne Auswirkungen auf die Selbstverwaltung
im deutschen Gesundheitswesen bleiben, was sich dann auch auf die weitere Ausgestaltung
des Fallpauschalensystems auswirken wird. Diese Änderungen setzen jedoch an der falschen
Stelle an. Ein in seinen Grundstrukturen akzeptiertes und dem Grundkonsens der Solidarität
verpflichtetes Finanzierungssystem des deutschen Gesundheitswesens wird damit seinem
Ende nähergebracht, ohne die tatsächlichen Ursachen der Krise zu beheben.
Von anderen Punkten der Gesundheitsreform können die Krankenhäuser profitieren. Die
Vereinfachung ihrer Zulassung zur ambulanten Leistungserbringung, die neuen Möglichkeiten
des Vertragsärzteänderungsgesetzes und die pflegesatzrechtlichen Veränderungen ergeben
auch Vorteile. Dennoch wirft das unbefriedigende Finanzierungsmodell seine Schatten
auch auf diese positiv hervorzuhebenden Änderungen.
Wettbewerb im Krankenhaus
Wettbewerb im Krankenhaus
Für die weitere Entwicklung der Krankenhäuser wird es von entscheidender Bedeutung
sein, inwieweit der Wettbewerbsgedanke im Gesundheitswesen tatsächlich umgesetzt und
die Branche von bürokratischen Hürden befreit wird. Die Orientierung an privatwirtschaftlichen
Grundprinzipien, die mit einer Deregulierung einhergehen muss, darf nicht mehr lange
aufgeschoben werden. Schon jetzt ist der Druck auf viele Krankenhäuser enorm, ihre
Existenz nicht bedingungslos garantiert.
Aus Sicht der Krankenhäuser zählt zu den wichtigsten Forderungen für eine neue Reform
die zukünftige Ausgestaltung der Fallpauschalen, die als Festpreise definiert werden
und in flexible, krankenhausindividuell verhandelbare Budgets eingebunden werden müssen.
Dies setzt aber Dezentralisierung und lokale Handlungsspielräume voraus - das Gegenteil
der gegenwärtigen Politik.
Die Rolle der privaten Krankenversicherungen
Die Rolle der privaten Krankenversicherungen
Die privaten Krankenversicherungen (PKV) sind eine wesentliche Stütze des deutschen
Gesundheitswesens. Sie zählen zu den wichtigsten Kostenträgern und sind der Garant
für eine pluralistische Struktur, die wiederum Voraussetzung für einen funktionierenden
Wettbewerb ist. Dem Handeln der privaten Krankenversicherungen im Geschäftsalltag
liegen betriebswirtschaftliche Prinzipien zugrunde, die notwendig sind, um die Knappheit
finanzieller Mittel möglichst optimal zu managen. Damit zeigen die PKV-Unternehmen
auch, dass Solidarität nicht ausschließlich durch ein staatlich reguliertes Umverteilungssystem
erreicht werden kann.
Im Gegenteil: Die PKV und ihre Versicherten tragen zur Finanzierung des gesamten Gesundheitswesens
in Deutschland einen überproportionalen Teil bei. Sie sind damit ein wichtiger Motor
für das kostenintensive Krankenhauswesen. Ihre Struktur und ihr Aufbau liefern darüber
hinaus auch einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der Investitionsfähigkeit der
Krankenhäuser in Deutschland und damit für die Innovationskraft der gesamten Gesundheitsbranche.
Im Ergebnis profitieren alle, auch die Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung.
Die PKV-Versicherten spüren direkt, wie die Anwendung privatwirtschaftlicher Prinzipien
die Gewährleistung von Patienteninteressen sichert: Leistungsgarantie, freie Arztwahl
und unbehinderte Krankenhauswahl sowie Zugang zur Spitzenmedizin sind nur einige Beispiele,
die vor dem Hintergrund der schleichenden Rationierung in der GKV verstärkt an Bedeutung
gewinnen und durch die PKV in besonderem Maße gewährleistet werden.
Stärkung des Prinzips von Leistung und Gegenleistung
Stärkung des Prinzips von Leistung und Gegenleistung
Das Festhalten am bisherigen Finanzierungssystem ist auf Dauer undenkbar. Eine wachsende
Mehrheit der Bevölkerung kann nicht dauerhaft von einer schrumpfenden Minderheit getragen
werden. Je länger am derzeitigen System der Umverteilung festgehalten wird, desto
schmerzhafter werden die zwangsläufig auf uns zukommenden Veränderungen. Es wird nicht
möglich sein, das generationenübergreifende Bewusstsein der Solidarität auch nachfolgenden
Generationen zu vermitteln, wenn die Realität nicht anerkannt und die Regeln des Systems
entsprechend angepasst werden.
Derzeit erhöht sich der Druck innerhalb des Systems. Die notwendigen Anpassungen der
finanziellen Rahmenbedingungen unseres Gesundheitswesens erfolgen in immer kürzeren
Abständen durch Gesundheitsreformen, die in keiner Weise nachhaltig sind. Statt den
erfolgreichen Grundsätzen der privaten Krankenversicherung, also dem Prinzip von Leistung
und Gegenleistung, zu folgen, wird am derzeitigen System festgehalten, dessen Fundamente
werden gestärkt und damit die Ursachen der finanziellen Misere zementiert.
Sichere Rahmenbedingungen für die Krankenversorgung
Sichere Rahmenbedingungen für die Krankenversorgung
Für das Krankenhauswesen wird das nicht ohne Folgen bleiben. Es stellt sich die unternehmerische
Frage, wie künftig Investitionen platziert werden sollen, deren Return on Investment
10, 15 oder gar 20 Jahre benötigen wird, zugleich der gesetzliche Rahmen jedoch ständigen
und nicht kalkulierbaren Veränderungen unterliegt.
Das Risiko von Fehlinvestitionen und weiteren Finanzmittel verzehrenden Verlusten
kann nur gemindert werden, wenn klar ist, in welche Richtung sich das System wendet.
Die Rahmenbedingungen müssen den Unternehmern im Gesundheitswesen zunächst Sicherheit
vermitteln und letztlich auch Erfolg in Aussicht stellen. Derzeit ist das Ausmaß der
Unsicherheit ein nicht unwesentlicher Einflussfaktor unternehmerischer Entscheidungen
im Krankenhauswesen.
Weniger ideologische Bremsen sind notwendig
Weniger ideologische Bremsen sind notwendig
Der Wettbewerb unter den Krankenhäusern wird intensiver werden. Seriöse Studien gehen
davon aus, dass mittelfristig bis zu einem Drittel der Krankenhausbetten aus der Krankenhausplanung
herausfallen werden. Dieses neue Wettbewerbsumfeld mit all seinen Konsequenzen wird
in der Bevölkerung nur dann positiv aufgenommen, wenn die Qualität glaubhaft gewährleistet
und die Versorgungssicherheit nicht gefährdet ist. Dafür sind die notwendigen Vorkehrungen
zu treffen, für die die Krankenhausbetreiber kräftig investieren müssen. Die Bereitschaft
dazu ist gegeben. Es bedarf dafür jedoch einer Vertrauen schaffenden und Erfolg versprechenden
Basis.
Die Aufgabe des Gesetzgebers ist es daher, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die die
notwendigen Spielräume für das Krankenhausmanagement mit dem Wunsch nach einer flächendeckenden
und leistungsstarken Medizin verbinden können. Die Krankenhäuser werden dann ihre
Kompetenz in betriebswirtschaftlicher und medizinischer Hinsicht noch wesentlich stärker
einbringen als bislang.
Inwieweit das auch in der Zukunft gelingt, hängt vom Mut der politischen Entscheidungsträger
ab, dem Wettbewerb Vorrang vor einer Staatsmedizin einzuräumen. Dafür ist auch eine
Sicherung des privaten Versicherungsmarktes notwendig, denn gerade er sichert wichtige
Finanzierungsquellen - insbesondere für die Krankenhäuser - und so auch die Qualität
der Leistungserbringung.
Unternehmerische Freiräume schaffen
Unternehmerische Freiräume schaffen
Gesundheitspolitik ist auch immer Ordnungspolitik. Eine nachhaltige Ordnung im Gesundheitswesen
wird dann gewährleistet, wenn erfolgreiche Prinzipien und Strategien der Vergangenheit
mehr Raum erhalten und man mutig mit traditionellen Strukturen bricht, welche die
Zukunftsfähigkeit gefährden. Der Kern des Erfolgs liegt in einem Mischsystem aus Leistung,
Solidarität, Wettbewerb und sozialem Ausgleich. Letzteren kann es aber nur geben,
wenn vorher erwirtschaftet wurde, was umverteilt werden soll. Dafür ist unternehmerischer
Freiraum nötig. Privatwirtschaftliches Handeln ist ein Garant dafür.
„Vorbild sein für andere und zeigen, dass medizinische und pflegerische Höchstleistungen
mit wirtschaftlicher Betriebsführung vereinbar sind.” Dieser Unternehmensgrundsatz
der Sana Kliniken könnte auch Leitmotiv für das gesamte Gesundheitswesen sein. Ohne
die Anerkennung der Notwendigkeit wirtschaftlichen Denkens im Gesundheitswesen wird
die Lösung der Probleme noch schwieriger.