ADHS bei Kindern ist vor allem durch die Kardinalssymptome motorische Unruhe, Unaufmerksamkeit
und Impulsivität charakterisiert. Unbehandelt ist die Entwicklung, der zu erwartende
soziale und berufliche Erfolg der Kinder beeinträchtigt. Etwa die Hälfte der Kinder
leidet unter Ein- und Durchschlafstörungen, die meisten haben aber ein Problem mit
dem Zubettgehen, d.h. ein Verhaltensproblem. Die Betroffenen haben daher auch ein
hohes Risiko für Verletzungen und Unfälle.
ADHS betrifft aber nicht nur rund 4% aller schulpflichtigen Kinder, sondern auch Eltern,
Lehrer und Freunde. Diese spielen gleichzeitig eine wichtige Rolle bei der Entstehung
und Aufrechterhaltung der Erkrankung. Bereits pränatal kann durch Nikotin, Alkohol
und Stress in der Schwangerschaft das neuronale Wachstum und damit die funktionelle
Reifung des Gehirns beeinträchtigt werden [1]. Auch nach der Geburt prägt das Verhalten der Eltern die Entwicklung geistiger und
psychischer Fähigkeiten. Entscheidend sind dabei die Phasen mit erhöhter neuronaler
und synaptischer Plastizität, d.h. die sensible Phase während der ersten Lebenswochen
sowie die Pubertät. Mangelnde emotionale Bindung kann z.B. zu einer Degeneration der
Dentriten führen.
Traumatisierung der Eltern
Gleichzeitig kann aber auch das Verhalten der Kinder ("Keiner will mit mir spielen")
die betroffenen Eltern, die häufig ebenfalls an ADHS leiden, traumatisieren und Verzweiflung
und Hilflosigkeit auslösen. Wir müssen diesen Teufelskreis so früh wie möglich unterbrechen",
schlussfolgerte Prof. Dr. Wolf-Dieter Gerber, Kiel, auf einem Workshop im Rahmen der
ADHS-Gespräche. Ein rechtzeitiges Erkennen der Symptome und eine entsprechende therapeutische
Unterstützung sind daher notwendig. Die Rolle von Medikamenten sollte sorgfältig mit
den Eltern besprochen werden.
Zur medikamentösen Behandlung, die bei einigen Kindern aufgrund der Schwere ihrer
Symptomatik nicht unumgänglich ist, stehen heute Stimulanzien wie Methylphenidat zur
Verfügung: Eine Alternative bietet Atomoxetin (Strattera®), das nicht zu den Stimulanzien
zählt und nicht BTM-pflichtig ist. Wie Prof. Dr. Andrea Caby, Emdenburg, und Dr. Filip
Caby, Papenburg-Aschendorf, gemeinsam vorstellten, sollte Atomoxetin nach der Leitlinie
der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte vorrangig dann eingesetzt
werden, "wenn die Familie ein Nicht-Stimulanz-Präparat bevorzugt, Tics oder Angststörungen
assoziiert sind, eine 24-Stunden-Wirkung dringend erforderlich ist oder die Gefahr
von Substanzmissbrauch vorliegt". Eine medikamentöse Therapie kann auch erforderlich
sein, um den Betroffenen den Zugang zu anderen Therapiemaßnahmen zu ermöglichen oder
wenn keine andere Therapie angeboten werden kann bzw. akzeptiert wird.
Quelle: 4. ADHS-Gespräche am 12. Mai 2007 in Düsseldorf, unterstützt von Lilly Deutschland
GmbH