Die Multiple Sklerose ist eine chronisch- entzündliche Erkrankung, die bereits sehr
früh in ihrem Verlauf zu Neurodegeneration mit Demyelinisierung und axonalen Schädigungen
führt. Klinische Untersuchungen wie die seit drei Jahren laufende BENEFIT-Studie (BEtaferon
in Newly Emerging multiple sclerosis For Initial Treatment) zeigen, dass eine früh
einsetzende immunmodulatorische Behandlung mit Interferon-beta-1b das Fortschreiten
der Erkrankung verlangsamen und damit die Gefahr senken kann, eine bleibende Behinderung
zu entwickeln, formulierte Prof. Hans-Peter Hartung, Düsseldorf, bei einem Pressegespräch
im Rahmen des DGN-Kongresses. Die auf fünf Jahre angelegte Untersuchung verfolgt den
Krankheitsverlauf von 468 Patienten, die mit einem ersten MS-Schub und MS-typischen
Befunden in der Kernspintomografie eingeschlossen wurden. Die Patienten wurden zunächst
randomisiert und für zwei Jahre oder so lange, bis eine klinisch gesicherte MS auftrat,
entweder mit Interferon-beta-1b (Betaferon®) oder Placebo behandelt. In der zweiten
Phase erhielten alle Patienten Verum, auch diejenigen, die zuvor Placebo bekommen
hatten. Die Interimsanalyse, die nach insgesamt drei Jahren geplant war, wurde kürzlich
publiziert [1].
Wie Prof. Norbert Sommer von der Universitätsklinik Marburg berichtete, zeigte diese
prospektive Analyse, dass Patienten, die bereits in der Frühphase der MS Interferon-beta-1b
erhielten, langfristig günstigere Krankheitsverläufe entwickelten als solche, die
mit der Therapie erst bei gesicherter Erkrankung begannen. So entwickelten 51% der
Patienten, die erst später in die Therapie einstiegen, innerhalb von drei Jahren eine
klinisch manifeste MS im Gegensatz zu nur 37% aus der Gruppe der initial Behandelten.
Auch die Progression der Behinderung, beurteilt nach der Expanded Disability Status
Scale (EDSS), lag in der Gruppe mit dem späteren Therapiebeginn mit 24% deutlich höher
als bei den initial Behandelten mit 16%. Dies bedeutet in diesem Zeitraum eine Reduktion
des Risikos um 40% durch die initiale Behandlung mit Interferon-beta-1b. Eine weitere
begonnene Studie prüfe, ob bei der schubförmigen MS mit der doppelten der bisher zugelassenen
Dosis, also 500 µg an jedem zweiten Tag, noch bessere Ergebnisse zu erzielen sind.
Die Pilotphase zeige bereits, dass diese hohe Wirkstoffdosis gut vertragen wird.
Satelliten-Symposium "Früher und weiter bei MS - den Vorsprung ausbauen: Neues aus
Klinik und Forschung" im Rahmen des DGN-Kongresses am 13. September 2007 in Berlin,
organisiert von Bayer Vital GmbH