Heiliger Valentin
In der Behandlung von Epilepsiepatienten sind neben der Effektivität vor allem ein
günstiges Nebenwirkungsprofil und ein geringes Interaktionspotenzial wichtig. Seit
Juni 2005 steht für die Zusatztherapie fokaler Epilepsien mit oder ohne sekundäre
Generalisierung der Wirkstoff Zonisamid (Zonegran®) zur Verfügung.
Insbesondere Enzyminduktoren wie das bisherige Standardmedikament Carbamazepin können
Osteoporose auslösen und verstärken, betonten Prof. Christian Elger, Bonn, und Prof.
Bernhard Steinhoff, Kehl, auf einer Presseveranstaltung. Beide Experten bezeichneten
es daher als falsch, bei vielen vergleichbar wirksamen Substanzen in der Kombinationstherapie
zusätzlich Enzyminduktoren einzusetzen. Viele Antikonvulsiva interagieren zudem über
das Cytochrom P450 auch mit anderen Medikamenten und oralen Kontrazeptiva oder bewirken
eine deutliche Gewichtszunahme.
Prof. Elinor Ben-Menachem, Göteborg, machte auf das günstige Nebenwirkungs- und Interaktionsprofil
von Zonisamid aufmerksam [1], [2], [3], [4], [5]. Der Wirkstoff gehört zu den wenigen Antikonvulsiva, die als häufig gewünschte Nebenwirkung
eine Gewichtsabnahme bewirken. Das Cytochrom-P-450-System wird von Zonisamid weder
gehemmt noch induziert und kann so problemlos mit oralen Kontrazeptiva kombiniert
werden. Vorteilhaft sei auch, dass Zonisamid als Zusatztherapie die Plasmaspiegel
anderer Antiepileptika nicht verändert. Die Substanz induziert keinen Eigenmetabolismus.
Die bisherigen Daten weisen darauf hin, dass die Wirkung der Substanz im Verlauf mehrerer
Jahre zunimmt. In mehreren klinisch kontrollierten Studien zeigten sich Responderraten
- d.h. mindestens eine Halbierung der Anfallsfrequenz - von über 60%, in Beobachtungsstudien
sogar bis zu 75% der Patienten.
Hoffnung bei Lennox-Gastaut-Syndrom
Das Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) zählt zu den prognostisch schlechtesten und häufig
therapierefraktären Epilepsiesyndromen. Die Patienten, so Prof. Gerhard Kurlemann,
Münster, leiden an unterschiedlichen Anfallsformen wie atonischen Anfällen, häufigen
nächtlichen tonischen Anfällen oder atypischen Absencen. Oft manifestiert sich die
Erkrankung bereits im Kindesalter. Im letzten Jahr erhielt die Substanz Rufinamid
(Inovelon®) als sogenanntes Orphan Drug die Zulassung für besonders seltene und schwere
Erkrankungen. Das Antikonvulsivum ist für LGS-Patienten ab vier Jahren als Zusatztherapeutikum
zugelassen und reduziert die Häufigkeit der gefährlichen Sturzanfälle sowie den Schweregrad
der Anfälle um etwa 40 bis 50% [6].
Dr. Andreas Fischer, München
Quelle: Meet-the-Expert-Session anlässlich des 2. Valentinssymposiums® am 16. Februar
2008 in Potsdam, veranstaltet von der Eisai GmbH