Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2016; 44(05): 296-306
DOI: 10.15653/TPG-160025
Originalartikel
Schattauer GmbH

Haltung von Schweinen mit nicht kupierten Schwänzen in konventionellen Betrieben

Eine MachbarkeitsstudieKeeping pigs with undocked tails on conventionally producing farmsA feasibility study

Authors

  • Carolin Holling

    1   Außenstelle für Epidemiologie, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • Karl-Heinz Tölle

    2   ISN-Projekt GmbH, Damme
  • Gerald Otto

    3   Böseler Goldschmaus GmbH & Co.KG, Garrel
  • Thomas Blaha

    1   Außenstelle für Epidemiologie, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Further Information

Publication History

Eingegangen: 08 January 2016

Akzeptiert nach Revision: 13 April 2016

Publication Date:
23 December 2017 (online)

Zusammenfassung

Gegenstand und Ziel: In der Machbarkeitsstudie wurden Schweine mit nicht kupierten Schwänzen und Schweine mit kupierten Schwänzen in vier konventionell produzierenden Betrieben in Niedersachsen von der Aufzucht bis zur Schlachtung untersucht. Ziel war die praktische Erprobung von Managementempfehlungen zur Verhinderung und Eindämmung von Schwanzbeißen. Material und Methoden: Vor Einstallung der Tiere wurden die betriebsspezifischen Risikofaktoren für das Schwanzbeißen geprüft und soweit möglich reduziert. Zusätzlich wurden in jedem Betrieb individuelle präventive Maßnahmen ergriffen, wie z. B. die Bereitstellung von zusätzlichen Beschäftigungsmaterialien oder Futterzusätzen. Die Landwirte wurden in der Tierbeobachtung geschult, um Anzeichen eines beginnenden Schwanzbeißens rechtzeitig zu erkennen und Maßnahmen ergreifen zu können. Eine Beurteilung der Schwänze der Tiere erfolgte täglich durch den Landwirt sowie in 14-tägigen Abständen durch die Erstautorin. In die Auswertung gingen zudem die erfassten Schlachtdaten der Tiere ein. Ergebnisse: Schwanzbeißen trat in jedem Durchgang in allen Betrieben bei den nicht kupierten Schweinen bereits in der Ferkelaufzucht auf. Im Durchschnitt aller Betriebe konnten 53,5% der nicht kupierten Tiere mit vollständiger Schwanzlänge in die Mast eingestallt werden. Zum Ende der Mast wiesen noch 24,2% der nicht kupierten Tiere einen intakten Schwanz auf. Bei den nicht kupierten Tieren ergab sich eine signifikant höhere Mortalität als bei den kupierten Schweinen (p = 0,0104). Die vermehrte Beanstandung von Abszessen am Schlachthof bei nicht kupierten Tieren mit vorhergehenden Verletzungen durch Schwanzbeißen war ebenfalls signifikant (p < 0,0001). Schlussfolgerung: Empfohlen wird eine mehrjährige Übergangszeit für schweinehaltende Betriebe, um durch ein schrittweises Erlernen die Haltung und Betreuung von nicht kupierten Tieren ohne vermehrtes tierschutzrelevantes Leiden der Tiere zu ermöglichen.

Summary

Objective: In this feasibility study, weaning and fattening pigs with undocked and docked tails were kept simultaneously on four conventionally producing farms in Lower Saxony, Germany. It was the aim of the study to test management recommendations to avoid and reduce tail biting under practical conditions. Material and methods: Before stocking, the farm-specific risk factors for tail biting had been analyzed and, if possible, reduced. Furthermore, on every farm, individual preventive measures, for example, additional pen enrichments and feed additives had been adopted. The farmers had been trained in animal observation, recognition of tail biting prior to outbreaks and measures to be taken when tail biting occurred. The tails of the pigs were examined daily by the farmer and every second week by the first author. Additionally, carcass characteristics were documented and analyzed. Results: Tail biting was observed in every batch on every farm during the rearing period. Combining data from all the farms, a mean of 53.5% of pigs with undocked tails could enter the fatte ning period without tail lesions. At the end of fattening, only 24.2% of the undocked slaughter pigs had intact tails. Additionally, in the group with undocked tails, mortality was significantly increased (p = 0.0104) in comparison with the control group and abscesses were detected significantly more frequently in carcasses of undocked pigs (p < 0.0001). Conclusion: As a consequence of these results, a transition period of several years is recommended to give farmers the opportunity to learn step by step how to maintain animals with undocked tails and to prevent animal suffering due to tail biting.