Zusammenfassung
In der vorliegenden prospektiven Untersuchung wurden die Ergebnisse des Entwicklungsstandes
von 116 Kindern der Jahrgänge 1977-1980 dargestellt, bei denen eine äußere Wendung
des Feten von Beckenendlage in Schädellage in Terminnähe durchgeführt wurde.
Im Alter zwischen 2 und 5Ÿ Jahren wurden die Kinder in den verschiedenen Bereichen
(sozialer Kontakt, Feinmotorik und Adaptation, Sprache und Grobmotorik) nach dem Denver-Developmental-Screening-Test
untersucht. Die auffälligen Kinder wurden speziellen Untersuchungen zugeführt. Eine
Nachkontrolle der entwicklungsgestörten Kinder erfolgte nach einem Jahr.
Im Gesamtkollektiv fanden wir vier Kinder mit psychomotorischer Retardation im Sprachbereich
und zwei weitere Kinder mit minimalen cerebralen Bewegungsstörungen. Die Kinder wurden
frühzeitig im Säuglingsalter erfaßt. Diese unter sekundärer Morbidität zusammengefaßten
Ergebnisse (Sprachstörungen und minimale cerebrale Bewegungsstörungen) wurden unter
Berücksichtigung der Wendungsergebnisse (gelungene Wendung und mißlungene Wendung)
sowie anderer geburtshilflicher Faktoren (Schwangerschaftsverlauf, Geburtsverlauf,
Entbindungsmethode, biochemische Untersuchungen intra und post partum, Alter der Mutter
und sozioökonomischer Status der Eltern) analysiert.
Die weitere Entwicklung der erfaßten auffälligen Kinder konnte durch spezielle Behandlungsmaßnahmen
in starkem Maße beeinflußt werden. Durch die logopädische Therapie und den Besuch
des Kindergartens konnten die vier sprachgestörten Kinder ihren Wortschatz wesentlich
erweitern; die Artikulationsstörungen sind zum großen Teil zurückgegangen. Ein Zusammenhang
zwischen den Sprachstörungen bei diesen Kindern und dem sozioökonomischen Status der
Eltern konnte mit Sicherheit nicht ausgeschlossen werden. Die Frühbehandlung nach
Bobath erbrachte bei einem der zwei zerebral bewegungsgestörten Kinder gute Ergebnisse.
Nach einer Behandlungsdauer von etwa 6 Monaten konnte der Hypertonus der Arme in diesem
Fall behoben werden. Die Koordinationsstörungen zwischen den Armen und den Beinen
bei dem zweiten Kind gingen wesentlich zurück, jedoch ist eine Hypertonie der Arme
noch vorhanden. Wir können auch zur Zeit mit Sicherheit feststellen, daß es sich bei
diesem Kind um eine minimale zerebrale Dysfunktion (MCD) handelt. Es stellt sich die
Frage, ob in diesem Fall die Frühbehandlung nach Vojta zu besseren Ergebnissen geführt hätte.
Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchungen zeigen deutlich, daß der Denver-Developmental-Screening-Test
als Suchtest geeignet ist, um entwicklungsgestörte Kinder frühzeitig zu erfassen.
Spezielle Untersuchungen und gegebenenfalls Behandlungsmaßnahmen können dann eingeleitet
werden.
Die von Saling und Müller-Holve (1974) eingeführte äußere Wendung des Feten von Beckenendlage in Schädellage unter
Tokolyse stellt keinen zusätzlichen Risikofaktor für die zerebralen Bewegungsstörungen
dar.
Ein endgültiges Urteil über die weitere Entwicklung der gestörten Kinder kann erst
im Schulalter abgegeben werden.
Abstract
The prospective study presented here describes the results of follow-up examinations
of the developmental stage of 116 children born between 1977 and 1980 in whom abdominal
Version of the foetus from breech presentation to Vertex presentation was performed
near term.
The children were examined according to the Denver Developmental Screening Test at
the age of 2 to 5Ÿ years in various fields (social contacts, minor motor functions
and adaptation, speech and major motor functions). Children with abnormal findings
were subjected to special examinations. Those with disturbed development were re-examined
after one year.
In the entire group of children there were four with psychomotor retardation of speech,
and two further children with minimal cerebral motor disturbances. The children had
been detected early during infancy. These results, classified as secondary morbidity
(disturbances of speech and minimal cerebral motor disturbances) were analysed taking
into account the results of version (successful and unsuccessful version) and other
obstetric factors (course of pregnancy and birth, method of delivery, biochemical
examinations during and after birth, age of mother, and socioeconomic Status of parents).
Further development of the children with abnormal findings was considerably influenced
via appropriate treatment measures. In the four children with disturbed speech, it
was possible to considerably expand their command of words; their articulation disturbances
have been reduced to a large extent. It was not possible to definitely exclude a connection
between the speech disturbances in these children and the socioeconomic status of
their parents. Early treatment according to Bobath yielded good results in two of
the children with cerebral motor disturbances. Hypertonicity of the arms was relieved
in this case after a treatment period of about 6 months. There was a substantial reduction
of the coordination disturbances between the arms and legs in the second child, although
hypertonicity of the arms has remained. At present we can also confirm definitely
that minimal cerebral dysfunction (MCD) is present in this child. This raises the
question whether it might have been better to effect early treatment according to
Vojta.
The results of the examinations presented here show clearly that the Denver Developmental
Screening Test is suitable as a search test to detect children with disturbed development
at an early stage. This would enable early initiation of specific examinations and,
if necessary, treatment methods.
The abdominal version of the foetus from breech presentation into Vertex presentation
under tocolysis introduced by Saling and Müller-Holve (1974) does not involve additional
risk for cerebral motor disturbances.
Final judgment on the further development of these disturbed children will be possible
only after they have attained school age.