Zusammenfassung
Anamnese und Befunde: Ein 29jähriger Mann suchte wegen einer plötzlich aufgetretenen Koordinationsstörung
aller Extremitäten und Kopfschmerzen zunächst ein auswärtiges Krankenhaus auf, aus
dem er nach rascher Besserung der Symptomatik ohne klare Diagnose nach einigen Stunden
wieder entlassen wurde. Wegen weiterbestehender diskreter Dysarthrie wurden Computer-
und Kernspintomogramme des Schädels angefertigt, die beidseitige Kleinhirninfarkte
zeigten. Als Ursache wurde ein kurzer embolischer Verschluß der distalen Arteria basilaris
angenommen.
Therapie und Verlauf: Um erneute embolische Verschlüsse zu verhindern, wurde zunächst Heparin intravenös
verabreicht. Da weder eine Emboliequelle noch anderweitige Ursachen nachgewiesen werden
konnten, wurde der Patient nach 14 Tagen beschwerdefrei mit Acetylsalicylsäure (250 mg/d)
zur Sekundärprophylaxe entlassen.
Folgerungen: Eine neurologische oder vaskuläre Ursache wird oft nicht in die Differentialdiagnose
mit einbezogen, wenn es bei einem Basilarisverschluß zu einer schnellen Rekanalisierung
und Rückbildung der neurologischen Symptomatik kommt. Die dann gestellten Verdachtsdiagnosen
wie psychiatrische Erkrankung, Drogen- oder Alkoholabusus, Medikamentenintoxikation,
Infektion oder Herzinfarkt führen nicht zur notwendigen Klärung der Ursache, so daß
ein potentiell lebensbedrohlicher Zustand übersehen werden kann.
Abstract
History and findings: A 29-year-old man presented in another hospital because of discoordination of all
extremities with sudden onset. After fast reversal of the symptoms, he was discharged
without a clear diagnosis. Because of remaining discrete dysarthria, computed tomography
and magnetic resonance imaging were performed which demonstrated bilateral cerebellar
infarcts. The cause was assumed to be a transient embolic occlusion of the distal
basilar artery.
Treatment and course: Intravenous heparin was started to prevent further occlusions. Because no source
for emboli or other causes were found, the patient was discharged after 14 days on
acetylic acid (250 mg/d) as secondary prevention therapy.
Conclusions: A vascular or neurological cause is often not considered when neurological symptoms
are quickly reversible after a transient occlusion of the basilar artery. In these
cases, the suspected diagnoses of psychiatric illness, alcohol abuse, drug intoxication,
infection or myocardial infarction do not lead to the necessary investigations. Thus,
a potentially lifethreatening situation may be disregarded.