Dtsch Med Wochenschr 2018; 143(11): 787-792
DOI: 10.1055/a-0585-9595
Klinischer Fortschritt
Infektiologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neue Leitlinien und Daten zu Clostridium difficile – Was ändert sich?

New Guidelines and Data to Clostridium difficile – What’s New?
Christoph Lübbert
1  Fachbereich Infektions- und Tropenmedizin, Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Universitätsklinikum Leipzig
2  Interdisziplinäres Zentrum für Infektionsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig
,
Norman Lippmann
2  Interdisziplinäres Zentrum für Infektionsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig
3  Institut für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Universitätsklinikum Leipzig
,
Amrei von Braun
1  Fachbereich Infektions- und Tropenmedizin, Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Universitätsklinikum Leipzig
2  Interdisziplinäres Zentrum für Infektionsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig
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Publication Date:
28 May 2018 (online)

Was ist neu?

Epidemiologie Clostridium-difficile-Infektionen (CDI) gehen auch in Deutschland mit unverändert hoher Krankheitslast und einem Anstieg der Zahl schwerer bzw. letaler Verläufe einher. Der Anteil ambulant erworbener CDI steigt weltweit weiter an und umfasst selten auch Patienten mit einer Reisediarrhö. Es gibt eine gute Evidenz dafür, dass nosokomiale Fälle durch Implementierung von Antibiotic-Stewardship- (ABS-) Programmen stark verringert werden können.

Diagnostik Nur Patienten mit unklarer, neu aufgetretener Diarrhö sollten getestet werden. Die mikrobiologische Untersuchung auf toxigene C.-difficile-Stämme sollte mehrstufig erfolgen, d. h. mittels Glutamatdehydrogenase- (GDH-) Test plus Toxinnachweis oder Nukleinsäureamplifikationstests (NAAT), oder NAAT plus Toxinnachweis. Von einem alleinigen Toxinnachweis mittels Enzymimmunoassay (EIA) oder einem alleinigen Einsatz von NAAT wird abgeraten.

Neue Therapieleitlinien Nach den 2017/18 aktualisierten US-amerikanischen Leitlinien gilt oral verabreichtes Vancomycin inzwischen als Mittel der ersten Wahl. Fidaxomicin ist ähnlich wirksam wie Vancomycin, sein Vorteil besteht jedoch in der geringeren Rate an Rezidiven.

Weitere Behandlungsoptionen und Impfung Es konnte gezeigt werden, dass die zusätzliche Gabe des monoklonalen Antikörpers Bezlotoxumab die Rezidivrate signifikant senkt. Neue Antibiotika, die die Darmmikrobiota besser schützen, werden derzeit in klinischen Studien getestet. Für die Therapie multipel rezidivierender CDI bestehen gesicherte Behandlungserfolge von ≥ 90 % durch den fäkalen Mikrobiomtransfer (FMT). Da der FMT in Deutschland zurzeit lediglich den Status eines individuellen Heilversuchs hat, ist eine evidenzbasierte generelle Empfehlung für die klinische Praxis nicht möglich. Wahrscheinlich wird sich die Applikation kryokonservierter FMT-Kapseln längerfristig durchsetzen. Es ist zu erwarten, dass Toxoid-Impfstoffe CDI wirksam verhindern können; allerdings wurde bislang noch keine Zulassungsstudie abgeschlossen.

Abstract

The incidence of Clostridium difficile infections (CDI) remains on a high level globally. In Germany, the burden of disease and especially the number of severe or even lethal cases continue to increase. The main risk factor for the development of CDI is the exposure to broad-spectrum antibiotics, which disturb the intestinal microbiota and therefore enable the colonization with C. difficile. According to IDSA’s and SHEA’s updated US guidelines, vancomycin is the treatment of choice. Fidaxomicin is as effective as vancomycin, but its advantage is the lower rate of recurrence. For the treatment of multiple relapsing CDI, there are assured treatment successes of ≥ 90 % through a fecal microbiome transfer (FMT), whereby FMT in Germany currently only has the status of an individual therapeutic attempt. Thus, an evidence-based general recommendation for clinical practice is not possible. Currently, new antibiotics with narrow-spectrum activity and low intestinal resorption have been developed for the treatment of CDI, including surotomycin, cadazolid, and ridinilazol. Furthermore, recent clinical studies demonstrated that significantly fewer recurrences occurred in patients who additionally received the monoclonal antibody bezlotoxumab. Novel toxoid vaccines are expected to become an efficacious tool in the prevention of CDI. However, pivotal clinical trials have so far not been completed.