Sprache · Stimme · Gehör 2020; 44(01): 49-56
DOI: 10.1055/a-0641-4467
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kasuserwerb in der Erstsprache Türkisch: Eine Untersuchung zur Akkusativ- und Dativproduktion von bilingual türkisch-deutschsprachigen Kindern

Case Morphology in the First Language Turkish: An Investigation of Accusative and Dative Production in Bilingual Turkish-German Children
Kübra Gökgöz
1  Universität Potsdam
,
Natalia Gagarina
2  Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft
,
Annegret Klassert
3  Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht 08 June 2018

akzeptiert 01 February 2019

Publication Date:
27 March 2019 (online)

Zusammenfassung

Während für den monolingualen Erwerb des Türkischen ausreichend Evidenzen vorliegen, dass Kasus innerhalb der ersten drei Lebensjahre erworben wird und Erwerbsprobleme ein sicherer Indikator für SSES sind, ist dies für den bilingualen Erwerb nicht ausreichend geklärt. Die vorliegende Studie untersucht in longitudinalen Daten von ungestörten 18 zwei- bis vierjährigen bilingual türkisch-deutsch-sprachigen Kindern die Korrektheitswerte, Entwicklungsmuster und Fehlertypen in einem Elizitierungstest für Akkusativ und Dativ in der Erstsprache Türkisch. Auch nach dem vierten Lebensjahr sind die getesteten Bereiche nicht von allen Kindern vollständig erworben. Der Kasus ist demnach unter bilingualen Erwerbsbedingungen ein vulnerabler Bereich und als alleiniger Marker nicht geeignet, um zwischen gestörter und ungestörter bilingualer Sprachentwicklung zu unterscheiden. Das häufige Ausweichen auf pronominale Reaktionen und andere Wörter auf Grund lexikalischer Unsicherheiten, verdeutlicht die Notwendigkeit von erstsprachlichen Kompetenzen bei der Beurteilung der Korrektheit der Reaktionen.

Abstract

While there is sufficient evidence that, in monolingual acquisition of Turkish, case is acquired within the first three years of life and that problems with case are an indicator of SLI, this is not sufficiently clear when it comes to bilingual acquisition. The present study examines correctness, developmental patterns, and error types in a dative and accusative elicitation test in L1 Turkish in longitudinal data of 18 typically developing 2- to 4-year-old bilingual Turkish-German children. Even after the age of four, the phenomena tested areas are not fully acquired by all children. Therefore, case is a vulnerable area in bilingual acquisition and not suitable as a sole marker for distinguishing between impaired and unimpaired language development. The need for first language competencies of the tester becomes apparent, because children frequently produce pronominal responses and non-target words due to lexical problems.