Sprache · Stimme · Gehör 2018; 42(04): 192-198
DOI: 10.1055/a-0682-3030
Schwerpunktthema
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Laryngoplastik zur Medialisierung bei Lähmungen und Defekten der Glottis

Medialisation Laryngoplasty to Treat Vocal Fold Paralysis and Glottal Defects
Dirk Mürbe
Klinik für Audiologie und Phoniatrie, Charité Universitätsmedizin Berlin
,
Tadeus Nawka
Klinik für Audiologie und Phoniatrie, Charité Universitätsmedizin Berlin
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Publication History

Publication Date:
14 December 2018 (online)

Laryngoplastiken zur Medialisierung der Stimmlippe haben sich als effektive operative Verfahren zur Stimmverbesserung bei einseitigen Stimmlippenlähmungen und Substanzdefekten der Glottis etabliert. Umfangreiche Erfahrungen liegen insbesondere zur Medialisierungsthyroplastik vor. Über ein Fenster im Schildknorpel wird das Stimmlippengewebe durch Einsetzen von körpereigenem Material (Knorpel) oder externen Implantaten (Titan, Gore-Tex etc.) medialisiert. Bei ausgeprägter Lateralstellung einer gelähmten Stimmlippe ist die Kombination der Medialisierungsthyroplastik mit einer Arytenoidadduktion erfolgversprechend, um auch den Spalt im knorpeligen Teil der Glottis zu verkleinern. Die Indikationsstellung zur Laryngoplastik darf nicht ausschließlich auf den bildmorphologischen Befund des Kehlkopfes reduziert werden, sondern erfordert eine modularisierte Stimmdiagnostik. Abhängig vom Befund ist ein therapeutisches Stufenkonzept zu beachten. Bei geringer glottaler Schlussinsuffizienz sind zunächst eine initiale Stimmübungsbehandlung und ggf. eine Injektionsglottoplastik vor der externen Laryngoplastik zu erwägen.

Abstract

Laryngoplasty for medialisation of the vocal fold in unilateral paresis or glottal defect have proven to be a reliable treatment. Thyroplasty as the most common treatment has established and is supported by wide experience. Through a window the vocal fold is medialised by means of autologous cartilage or external implants such as titanium or Gore-Tex. In cases of pronounced lateral position of the vocal fold, the additional arytenoid adduction may be successful in closing the cartilaginous part of the glottis. The indication for laryngoplasty must not be reduced to the videolaryngoscopy only. On the contrary multi-dimensional voice diagnostics have to be done before the intervention. Depending on the extent of the glottal gap a stepwise treatment begins with voice therapy, then injection laryngoplasty and as the last step external laryngoplasty.

Fazit

Laryngoplastiken stellen einen unverzichtbaren Bestandteil der operativen stimmtherapeutischen Möglichkeiten dar. Bei glottalen Substanzdefekten bzw. Schlussinsuffizienzen ist die Medialisierungsthyroplastik eine etablierte Option, wenn konservative Therapie oder Injektionslaryngoplastik nicht ausreichen. Bei einer großen Schlussinsuffizienz sollte die Medialisierungsthyroplastik mit einer Arytenoidadduktion verbunden werden. In diesen Fällen sind stabile Verbesserungen der Stimmfunktion für verschiedene Parameter nachgewiesen.