Gastroenterologie up2date 2019; 15(03): 259-275
DOI: 10.1055/a-0785-1612
Spezielle Themen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Enterale und parenterale Ernährung

Mathias Plauth
,
Melanie Viertel
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Publication Date:
17 September 2019 (online)

Die enterale bzw. die parenterale Ernährung wird dann benötigt, wenn ein Mensch sich infolge seiner Erkrankung auf natürlichem Wege nicht mehr ausreichend ernähren kann. Primäres Therapieziel ist ein optimales metabolisches Management zur bestmöglichen Bewältigung einer akuten oder chronischen Erkrankung. Dieser Beitrag bietet einen Überblick über die wichtigsten praxisrelevanten Aspekte der enteralen und parenteralen Ernährung.

Kernaussagen
  • Die Ernährungstherapie hat ein optimales metabolisches Management zur bestmöglichen Bewältigung einer akuten oder chronischen Erkrankung zum Ziel und ist deshalb integraler Bestandteil eines jeden Behandlungsplans.

  • Metabolische Komplikationen durch ein Zuviel („Hyperalimentation“, Refeeding-Syndrom) oder Zuwenig sind zu vermeiden.

  • Alle Patienten sollen hinsichtlich eines Risikos durch Mangelernährung gescreent werden.

  • Bei positiv gescreenten Patienten soll der Ernährungszustand mit Methoden wie Subjective Global Assessment (SGA), Handkraftmessung oder Bestimmung des Phasenwinkels erfasst werden.

  • Für die meisten Erkrankungen kann davon ausgegangen werden, dass der Energiebedarf das 1,3-Fache des Grundumsatzes nicht übersteigt.

  • Normal ernährte Patienten ohne einen schweren katabolen Zustand sollten Eiweiß oder Aminosäuren in Höhe von 1,2 g × kg−1 × 24 h−1 erhalten. Mangelernährte oder schwer katabole Patienten sollten eine Zufuhr von 1,5 g × kg−1 × 24 h−1 erhalten.

  • Vermeidung bzw. Behandlung eines Mikronährstoffmangels ist eine unabdingbare Komponente des optimalen metabolischen Managements.

  • Parenterale Ernährung ist sicher und erlaubt eine vollständige Ernährung. Metabolische Komplikationen sind Folgen einer unsachgemäßen Dosierung und Anwendung.

  • Enterale Ernährung ist wichtig für die Integrität des Darms, nutzt den Darm für die Nährstoffzufuhr, ist deshalb weniger invasiv und der parenteralen Ernährung prinzipiell vorzuziehen. Auch die enterale Ernährung ist nicht komplikationsfrei und erfordert sachgemäße Anwendung und Dosierung.

  • Enterale und parenterale Ernährung schließen sich nicht aus und können komplementär zum Nutzen des Patienten eingesetzt werden.