Gastroenterologie up2date 2019; 15(01): 8-12
DOI: 10.1055/a-0837-2769
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

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Publication Date:
27 March 2019 (online)

Schwerkranken, intensivmedizinisch betreuten Patienten wird ein erhöhtes Risiko für das Auftreten gastrointestinaler Blutungen zugeschrieben. Dies soll insbesondere dann gelten, wenn Patienten der Beatmung und/oder Hämodialyse bedürfen und die Mortalität innerhalb dieses Patientenkollektivs erhöhen. Auf der Grundlage dieser Beobachtungen gehört die prophylaktische Gabe Magensäure-supprimierender Medikamente, insbesondere von Protonenpumpenhemmern, z. B. Pantoprazol, vielerorts zum klinischen Alltag auf Intensivstationen. Dieses Vorgehen bedarf jedoch der kritischen Prüfung, ist doch dessen wissenschaftliche Evidenz gering. Zudem ist die Zahl von „Stressulkus“-bedingten Blutungen aktuell offenbar geringer als in früheren Jahren, mutmaßlich u. a. aufgrund verbesserter intensivmedizinischer Maßnahmen, z. B. einer frühzeitig begonnenen enteralen Ernährung. Die Gabe von Protonenpumpenhemmern aus prophylaktischer Indikation wäre somit für viele Patienten nicht notwendig. Neben dem fehlenden Nutzen würden diese zudem der Gefahr potenziell unerwünschter Wirkungen von Protonenpumpenhemmern, insbesondere nosokomialer Pneumonien, Clostridium-difficile-Enteritiden und myokardialer Ereignisse ausgesetzt.