Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-0965-7686
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Kernspintomografie bei Beckenfrakturen – Teil 2: Informationszugewinn und klinische Therapierelevanz

Article in several languages: English | deutsch
Carsten Hackenbroch
1  Department of Radiology and Neuroradiology, Ulm Army Hospital
,
Charlotte Merz
2  Department of Trauma Surgery and Orthopaedics, Reconstructive and Septic Surgery, Sports Traumatology, Ulm Army Hospital
,
Hans-Georg Palm
2  Department of Trauma Surgery and Orthopaedics, Reconstructive and Septic Surgery, Sports Traumatology, Ulm Army Hospital
,
Benedikt Friemert
2  Department of Trauma Surgery and Orthopaedics, Reconstructive and Septic Surgery, Sports Traumatology, Ulm Army Hospital
,
Fabian Stuby
3  Casualty Hospital, Occupational Accident Casualty Hospital, Murnau
,
Patricia Lang
2  Department of Trauma Surgery and Orthopaedics, Reconstructive and Septic Surgery, Sports Traumatology, Ulm Army Hospital
,
AG Becken III der DGU®› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
25 September 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Zwar wurden Magnetresonanz- und Computertomografie (MRI, CT) bereits hinsichtlich ihrer Sensitivität zur Detektion von Beckenfrakturen miteinander verglichen. Unklar ist jedoch, ob der unterstellte diagnostische Mehrgewinn aus der MRT-Bildgebung gegenüber der CT auch zur Therapieänderung führt. Ziel unserer Studie war es daher, den Informationszugewinn aus der MRT gegenüber der CT in der Diagnostik von Beckenfrakturen zu erfassen und eventuelle Auswirkungen der Mehrinformation auf das Therapieregime herauszustellen.

Patienten und Methoden Im Rahmen einer retrospektiven, klinischen Studie wurden 31 Patienten mit Beckenfraktur und CT- sowie MRT-Bildgebung (Median 81 ± 20 Jahre, 22 weiblich und 9 männlich) untersucht. Es erfolgte eine Einteilung nach AO-Klassifikation für adäquate bzw. FFP-Klassifikation für inadäquate Frakturen. Zudem wurden vaskuläre, muskuläre, hämatomatöse und organische Begleitverletzungen sowie Knochenmarködeme und abklärungsbedürftige Nebenbefunde evaluiert. Die Art der Therapie (konservativ vs. operativ) und ein eventueller Therapieartwechsel wurden für jeden Patienten dokumentiert. Mithilfe des Exakten Tests nach Fisher wurde orientierend getestet.

Ergebnisse Insgesamt zeigte die MRT bei 29% (n = 9) der Patienten ein größeres Frakturausmaß der Beckenfrakturen als die CT. Vier Typ-I-Frakturen nach FFP-Klassifikation wurden als Typ-II-Frakturen und 4 Typ-II-Frakturen als Typ-IV-Frakturen erkannt. Eine Typ-B1-Fraktur nach AO-Klassifikation zeigte sich in der MRT als C2-Fraktur. Der Exakte Test nach Fisher ergab für die Parameter „Adäquatheit eines Traumas“ und „Änderung des Frakturtyps“ durch die MRT p = 0,38. Die MRT zeigte insgesamt 82 Begleitverletzungen an, die CT 31. Insgesamt zeigte sich ein Informationszugewinn durch die MRT bei 75% (n = 24) aller untersuchten Patienten. Ein Wechsel von konservativ auf operativ nach der MRT fand bei 2 Patienten statt. Kein Patient wurde von geplant operativ auf konservativ umgestellt. Inwiefern die MRT Änderungen innerhalb einer Therapieform (konservativ, operativ) bewirkte, konnte retrospektiv nicht festgestellt werden. Bei 18% der Patienten mit inadäquater Fraktur hätte sich aber pro forma laut Literatur mit dem Klassifikationstyp auch das Therapieregime ändern müssen.

Schlussfolgerung Zusammenfassend kann man festhalten, dass die MRT in unserer Studie einen Informationszugewinn bei adäquaten und inadäquaten Beckenfrakturen sowie deren Begleitverletzungen lieferte und sich eine mögliche Therapierelevanz dieses Informationszugewinnes vor allem bei den inadäquaten Frakturen zeigte.