Balint 2019; 20(03): 79-85
DOI: 10.1055/a-0978-3968
Aus der Praxis
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zum Umgang mit Widerstand in einer kontinuierlich arbeitenden Balintgruppe als „emotionaler Spielwiese“ – kritische Reflexionen nach über zwei Jahrzehnten

Dealing with Psychic Resistance in a Continuously Working Balint Group as „Emotional Playing Field“ – Critical Reflections after more than two Decades
Wolfram Zimmermann
1  Dipl.-Psych., PD., Dr. phil. habil. Wolfram Zimmermann, Bernau
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Publication Date:
20 September 2019 (online)

Zusammenfassung

Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind kritisch reflektierte Veränderungen des emotionalen Klimas in den letzten Jahren in der Leitung einer sehr kontinuierlich arbeitenden Balintgruppe in Bernau. Sie wird vom Autor seit mehr als 22 Jahren als anerkannter und zertifizierter Qualitätszirkel geleitet. Bis Ende 2017 wurde diese Balintgruppe in der eigenen Psychotherapie-Praxis des Autors durchgeführt. Nach der Beendigung dieser eigenen Praxistätigkeit wurde der Autor von der KV Brandenburg mit einer sehr persönlichen Anerkennung der bisherigen Leistungen gebeten, diese Balintgruppe in anderen Räumlichkeiten auch weiterhin zu führen. Dies konnte mit erfolgreichem Engagement in einer Internistischen Gemeinschaftspraxis seit Anfang 2018 realisiert werden. Der Autor stellte aber dabei in den letzten Jahren relevante Veränderungen im emotionalen Klima in dieser Gruppe fest. Diese immer sehr engagiert arbeitende Balintgruppe wurde von einer älteren Kollegin früher immer gern als sogenannte „emotionale Spielwiese“ erlebt . Hier wurde v. a. sehr viel innerer affektiver Erlebnisraum eröffnet, wurde unmittelbare Kommunikation von Gefühlen, von mannigfaltigen inneren Bildern und lebhaften Körperempfindungen realisiert. Genau aber dieser erlebte intensive emotionale Charakter hat sich in der letzten Zeit verändert, die „emotionale Spielwiese“ wird irgendwie weniger gestaltet. Dies wird am Beispiel von häufigeren rationalisierenden und diagnostischen Erklärungen bzw. Ratschlägen besonders einzelner Teilnehmerinnen und einer entsprechenden Fallvignette verdeutlicht. Zugleich werden Bemühungen des Leiters dieser Bernauer Balintgruppe aufgezeigt, diese „emotionale Spielwiese“ wieder verstärkt zu nutzen. Direkt angeregt wurde diese vorliegende Arbeit durch hoch interessante Überlegungen zum Umgang mit eventuell vergleichbaren „kritischen Ereignissen“ in einfachen psychsomatischen Gruppen vor Ort mit weniger vorgebildeten TeilnehmerInnen und einem dabei methodisch- vorgenommenen Vergleich von „Alten und Neuem“ [vgl. 6, 16ff.] sowie einer kritischen Analyse der Balintgruppenleitung anlässlich der Silser Studienwoche 2017 in der Schweiz [vgl. 7]

Abstract

The object of the present work are critical reflected real changes of the emotional climate during the last years in the leading of a continuously working Balintgroup in Bernau . It is escorted by the author for more than 22 years than approved and certificated quality circle. Till the end of 2017 it was carried out these Balintgruppe in own psychotherapy practise of the author. After the ending of this practise activity the author was asked by the KV Brandenburg with very personal recognition of the present achievements to lead these Balintgroup in other rooms also furthermore. This could be realised with successful engagement in internist’s broads group practice since beginning of 2018. Besides, however, the author ascertained during the last years relevant changes in the emotional climate in this group. This always very much engaged working Balintgroup was experienced by an older colleague earlier always with pleasure than so called „emotional playing field“. Here above all much internal affective experience space was opened, immediate communication of feelings, from manifold internal pictures and lively body sensations became realised. Exactly, however, this experienced intensive emotional character has changed in the last time, the „emotional playing field“ is formed anyhow less. This is made clear at the example by more frequent rationalising and diagnostic explanations or advice of especially single participants and a suitable case vignette. At the same time efforts of the leader of this Bernau Balintgroup are indicated to use this „emotional playing field“ again increasingly. This present work was stimulated by interesting considerations to the contact with maybe comparable „critical events“ in a leading seminar on the occasion of the Silser study week in 2017, Switzerland [cf. 7]