Drug Res (Stuttg) 2019; 69(S 01): S5
DOI: 10.1055/a-0982-4993
Symposium der Paul-Martini-Stiftung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einführung in den Altersbegriff

Ursula Müller-Werdan
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Publication Date:
15 November 2019 (online)

Ein höheres Lebensalter geht bei höherentwickelten Lebewesen mit Seneszenz einher, also mit sichtbaren oder messbaren Stigmata eines Alterungsprozesses, der natürlich, also „physiologisch“ erscheint. Das organübergreifende Merkmal des physiologischen Alterungsprozesses ist der Verlust der funktionellen Reserve der einzelnen Organe; Resnick und Marcantonio prägten den Begriff „Homoiostenose“. Ein Grundproblem bei der wissenschaftlichen Analyse derartiger „physiologischer“ Alterungsprozesse besteht in der Abgrenzung zu „pathologischen“ Prozessen im Rahmen der Entstehung von Alterskrankheiten, die sich auf dem Boden vorbestehender Alterungsprozesse entwickeln. Als harter Endpunkt des biologischen Alterns kann die Mortalität („life span“) angesehen werden, während die Gesundheitsspanne („health span“) weniger gut fassbar ist. Unter den verschiedenen Definitionen des Alterungsprozesses sind daher diejenigen am besten operationalisiert, die auf den Endpunkt „Sterblichkeit“ abheben, wie die des späteren Nobelpreisträgers Peter Medawar, der 1952 vorschlug, Altern sei die Summe der Veränderungen, durch die die Wahrscheinlichkeit zu versterben zunehmend erhöht wird.