Rehabilitation
DOI: 10.1055/a-1019-6930
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Eine explorative Studie zu den schulischen Verlaufswegen nach einem mittelschweren bis schweren Schädel-Hirn-Trauma

An Explorative Study about Educational Pathways after a Moderate and Severe Traumatic Brain Injury
Birgit Hennig
1  Abt. Neuro-Rehabilitationspädagogik, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg
,
Britta Gebhard
2  FH Südwestfalen, Wissenschaftliches Zentrum Frühpädagogik, Soest
,
Richard Hinrichs
3  Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
,
Constanze Reutlinger
4  Helios-Klinik Geesthacht
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
16 December 2019 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie Empirische Daten zu schulischen Verlaufswegen nach einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) sind rar und veraltet. Es ist wenig über den Erfolg der Umsetzung initialer Empfehlungen und die weitere Schullaufbahn nach einem SHT bekannt. In dieser Studie werden Schulverlaufsbahnen nach einem mittelschweren bis schweren SHT untersucht. Insbesondere soll, ausgehend von den Schulempfehlungen zum Ende der stationären Rehabilitation, die Linearität oder Nichtlinearität von Verläufen und der langfristige Erfolg im Bildungssystem nachvollzogen werden.

Methodik Die Stichprobe umfasst 49 Schüler. Es wurden klinische Daten aus einer Rehabilitationsklinik sowie die in den Akten enthaltenen Schulempfehlungen zum Ende der stationären Rehabilitation analysiert. Zudem wurden Standardisierte Fragebögen zur Evaluation 2–9 Jahre nach schulischer Wiedereingliederung ausgewertet. Die Auswertung wurde mittels deskriptiver Statistik mittels Stata 15.1 vorgenommen.

Ergebnisse 59,2% der Befragten kehrten unmittelbar nach Entlassung zurück in ihre alte Klasse. 24,5% wechselten initial die Bildungseinrichtung. Bei mehr als 50% der Betroffenen ergab sich durch Wechsel und Brüche in Folge des SHT eine Nichtlinearität in der Schullaufbahn.

Schlussfolgerung Die Ergebnisse werden im Hinblick auf Diskontinuitäten im Schulverlauf diskutiert. Die Studie bestätigt ein hohes Ausmaß von Brüchen und Nichtlinearität im Schulverlauf nach einem mittelschweren bis schweren SHT. Empfehlungen der Rehaklinik erscheinen hilfreich, sie sind aber kein Garant für eine hindernisfreie Rückschulung. Eine professionelle Begleitung im Prozess der schulischen Re-Habilitation wird empfohlen. Die Studie belegt den Bedarf einer professionellen, standardisierten, systemisch orientierten und individualisierten Nachsorge im jeweiligen Schulkontext. Weitere empirische Studien zum schulischen Reintegrationsprozess nach einem SHT werden benötigt, um unter anderem die Faktoren zu identifizieren, welche das Risiko von Brüchen im Schulverlauf erhöhen, die Passung im Schulverlauf verhindern oder zu einer gelungenen Passung im Schulverlauf beitragen. Ergänzend wäre es sinnvoll, Zusammenhänge zwischen Versicherungsträger, Umfang und Art der Unterstützung nach der stationären Rehabilitation sowie Schulverlauf zu analysieren.

Abstract

Purpose Empirical data on educational pathways after a traumatic brain injury (TBI) are rare and obsolete. Less is known about the success of executed initial recommendations and the following school career. This study examines the course of school career after a moderate to severe TBI. In particular, based on the school recommendations at the end of inpatient rehabilitation, the linearity or nonlinearity of the processes and the long-term success in the educational system should be understood.

Methods The sample included 49 students. We analysed descriptive clinical data, school-related recommendations and standardised questionnaires for evaluating scholastic reintegration. 2–9 years later a standardized questionnaire was used to evaluate the outcome and success of the course in the school system. The analysis is based on descriptive statistics due to Stata 15.1.

Results 59,2% of the respondents returned in their former school class immediately after hospital discharge. 24,5% initially changed the educational institution. All in all, there were changes and ruptures in more than a half of the cases as aftereffect of the TBI.

Conclusion The results of the study are discussed regarding the discontinuities in school careers. The study confirms a high level of breaks and nonlinearity in the scholastic pathway after a moderate to severe TBI. Recommendations of the rehabilitation clinic appear helpful, but they are no guarantee for an obstacle-free re-education. Professional guidance in the process of school re-habilitation is recommended. The results of the study verify the requirement of a professional, systemic and individualized follow-up care in each particular school context. More empirical research about courses of TBI in the school system is needed to identify the aspects, which increase the risks of disruptions or prevents the fitting in the school career and to identify the aspects which support the success of fitting for the individual student.

Ergänzendes Material