Z Orthop Unfall 2019; 157(06): 684-694
DOI: 10.1055/a-1034-0923
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die gezielte und ungezielte Zupfbiopsie in der Abklärung periprothetischer Kniegelenksinfektionen – Evaluierung eines evidenzbasierten Algorithmus

Article in several languages: English | deutsch
Christian Scheele
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Isabelle Krauel
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Florian Pohlig
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Heinrich Muehlhofer
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Ludger Gerdesmeyer
2  Orthopaedics, University Hospital Schleswig-Holstein, Kiel Campus
,
Igor Lasic
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Peter Michael Prodinger
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Ingo Banke
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Rüdiger von Eisenhart-Rothe
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
,
Norbert Harrasser
1  Department of Orthopaedics and Sports Orthopaedics, Rechts der Isar Clinic of Munich, Technical University
› Author Affiliations
Clinical Trials Registration: ClinicalTrials.gov nct02594930
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Publication History

Publication Date:
28 October 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Periprothetische Gelenkinfektionen (PPI) stellen eine der gefürchtetsten Revisionsindikationen in der Kniegelenksendoprothetik dar. Die perkutane Zupfbiopsie der Synovia wird zur Diagnostik unklarer Fälle chronisch schmerzhafter Kniegelenksendoprothesen regelmäßig eingesetzt. Die genaue Zahl der als aseptisch klassifizierten Low-Grade-Infekte ist dabei unklar.

Fragestellung Ziel dieser prospektiven Studie war der Vergleich der diagnostischen Wertigkeit einer arthroskopisch kontrollierten und einer ungezielten Biopsieentnahme. Zudem erfolgte die Bestimmung der Prävalenz zuvor unerkannter PPI im Rahmen der synovialen Zupfbiopsie sowie des Prothesenwechsels.

Patienten/Methoden 40 Patienten mit chronisch schmerzhafter Kniegelenksendoprothese und Verdacht auf eine PPI wurden in die Studie eingeschlossen. Die Zupfbiopsie wurde standardisiert zunächst ohne und anschließend mit arthroskopisch-visueller Kontrolle durchgeführt und jeweils 6 Proben gewonnen (5× Mikrobiologie, 1× Histologie). Bei 19 anschließend als aseptisch klassifizierten Patienten erfolgte im Verlauf ein Prothesenwechsel.

Ergebnisse Im Rahmen der ungezielten Zupfbiopsie wurde in 10,0% (4 Fälle, 2× mikrobiologisch, 2× histologisch), im Rahmen der arthroskopischen in 7,5% (3 Fälle, 3× histologisch) und durch mindestens eine der beiden Techniken in 12,5% die Diagnose einer PPI gestellt. Lediglich die histopathologische Untersuchung führte unter Anwendung beider Techniken zu konkordant positiven Befunden bei 2 Patienten. Der Anteil nicht repräsentativer Gewebeproben war nach ungezielten Entnahmen doppelt so hoch wie nach arthroskopischer (30,0 vs. 15,0%). Bei der mikrobiologischen Untersuchung gelang im Rahmen der arthroskopischen Entnahme kein sicherer Erregernachweis, der essenziell für die Wahl einer resistenzgerechten antibiotischen Therapie war. Im Rahmen des Prothesenwechsels wurden in 22,2% der Fälle eine PPI diagnostiziert.

Schlussfolgerung Bei Patienten mit chronisch schmerzhafter Kniegelenksendoprothese zeigte sich in einem relevanten Anteil der Fälle ein periprothetischer Low-Grade-Infekt. Daher sollte bei klinischem Verdacht stets eine Zupfbiopsie zur histopathologischen und mikrobiologischen Untersuchung erfolgen. Für die histopathologische Untersuchung sollten Biopsien unter visueller Kontrolle und idealerweise mehrfach für die mikrobiologische Untersuchung unter Verzicht auf eine ausgeprägte Gelenkspülung entnommen werden.