Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2020; 48(04): 253-261
DOI: 10.1055/a-1197-5720
Übersichtsartikel

Gebärmuttererkrankungen des Rindes: mikrobiologische, molekularbiologische und immunologische Aspekte

Bovine uterine diseases: Aspects of microbiology, molecular biology, and immunology
Lisa Neubrand
Universitätsklinik für Wiederkäuer, Abteilung Bestandsbetreuung, Veterinärmedizinische Universität Wien, Wien, Österreich
,
Karen Wagener
Universitätsklinik für Wiederkäuer, Abteilung Bestandsbetreuung, Veterinärmedizinische Universität Wien, Wien, Österreich
,
Marc Drillich
Universitätsklinik für Wiederkäuer, Abteilung Bestandsbetreuung, Veterinärmedizinische Universität Wien, Wien, Österreich
› Author Affiliations

Widmung

Wir widmen diesen Artikel Herrn Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Heuwieser zum 65. Geburtstag.

Zusammenfassung

Postpartale Gebärmutterentzündungen treten beim Rind in unterschiedlichen Ausprägungen als puerperale Metritis oder klinische Endometritis auf und können über 40 % der Kühe einer Herde betreffen. Unabhängig von ihrem klinischen Erscheinungsbild zählen sie zu den häufigsten Ursachen für Fruchtbarkeitsstörungen bei Rindern und verursachen erhebliche Einbußen in der Produktivität der Milchkühe und letztendlich in der Wirtschaftlichkeit der Betriebe. Obwohl Erkrankungen der Gebärmutter schon seit vielen Jahren Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion sind, fehlen weiterhin, trotz entsprechender Versuche zur Vereinheitlichung, einheitliche Definitionen der verschiedenen Ausprägungen uteriner Erkrankungen. Durch Anwendung neuer technischer Entwicklungen und Testverfahren konnte ein immenser Fortschritt hinsichtlich der Kenntnisse über physiologische Zusammenhänge und pathologische Mechanismen erreicht werden. Bovine (Endo)metritiden können als multifaktorielle Erkrankungen angesehen werden und resultieren aus dem Zusammenspiel einer mikrobiellen Infektion, einer Dysregulation des Immunsystems und einwirkenden Risikofaktoren. Dieses Zusammenspiel wird auf den Ebenen der Mikrobiologie und Molekularbiologie und auch mithilfe der Bioinformatik und Molekulargenetik intensiv erforscht. Im Ergebnis wurden unter anderem neue Bakterienspezies beschrieben, die zur Entstehung der Erkrankung beitragen können, Effekte von Entzündungsmediatoren erklärt sowie metabolische und genetische Einflüsse und Zusammenhänge zu nachfolgenden Fruchtbarkeitsstörungen beschrieben. Daraus ergeben sich nicht nur Grundlagen für mögliche neue Therapie- und Präventionsansätze, sondern auch Ansätze, die in der tierärztlichen Praxis heute schon genutzt werden können. Dieser Artikel soll eine Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung zur bovinen Metritis und Endometritis mit einem Schwerpunkt auf mikrobiologischen, molekularbiologischen und immunologischen Studien liefern.

Abstract

Postpartum uterine diseases, such as puerperal metritis and clinical endometritis may affect over 40 % of cows in dairy farms. Regardless of their severity, these diseases are one of the main reasons for impaired fertility, causing declines in dairy cow productivity and hence, resulting in economic losses. Although uterine diseases have been the topic of scientific discussion for many years, until now it was not possible to agree on uniform definitions for the different kinds of manifestation. By including technical innovations and testing procedures, enormous scientific progress and a deeper knowledge of the physiology as well as the pathologic mechanisms have been achieved. Bovine metritis and endometritis may be regarded as multifactorial diseases caused by a combination of microbial infection, the dysregulation of the immune system, and additional risk factors. These interactions have been analyzed on microbial and molecular biological levels as well as by the use of bioinformatics and molecular genetics. As a result, new species of bacteria and inflammatory mediators possibly contributing to the development of uterine diseases have recently been described. Additionally, metabolic and genetic risk factors and their roles in leading to fertility impairment have been evaluated. In conclusion, it was possible to identify new approaches for possible therapeutic and preventive methods, a subset of which may already be implemented into daily practical routine. This article provides an overview of recent scientific results concerning bovine metritis and endometritis with a focus on microbial, microbiological and immunological studies.



Publication History

Received: 31 March 2020

Accepted: 14 May 2020

Publication Date:
21 August 2020 (online)

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