Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2020; 48(06): 386-397
DOI: 10.1055/a-1287-3282
Originalartikel

Umfrage unter Neuweltkameliden-Züchtern zum Zucht- und Fortpflanzungsmanagement

A survey among breeders of South American camelids concerning breeding and reproduction management
Johanna Wolfthaler
1  Klinische Abteilung für Bestandsbetreuung bei Wiederkäuern, Vetmeduni Vienna, Wien
2  Klinische Abteilung für Wiederkäuermedizin, Vetmeduni Vienna, Wien
,
Sonja Franz
2  Klinische Abteilung für Wiederkäuermedizin, Vetmeduni Vienna, Wien
,
Agnes Dadak
3  Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Abteilung für Klinische Pharmakologie, Vetmeduni Vienna, Wien
,
Katharina Steiner
1  Klinische Abteilung für Bestandsbetreuung bei Wiederkäuern, Vetmeduni Vienna, Wien
2  Klinische Abteilung für Wiederkäuermedizin, Vetmeduni Vienna, Wien
,
Marc Drillich
1  Klinische Abteilung für Bestandsbetreuung bei Wiederkäuern, Vetmeduni Vienna, Wien
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Gegenstand und Ziel In der Studie erfolgte eine Online-Umfrage unter Züchtern von Neuweltkameliden in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit dem Ziel, mehr über die Haltung und das Reproduktionsmanagement von Neuweltkameliden zu erfahren.

Material und Methode Der Link zur Umfrage wurde per E-Mail an 8 Zuchtvereine ausgesendet. Der Fragebogen umfasste insgesamt 24 geschlossene oder offene Fragen. Der Zeitraum für die Teilnahme war Mai bis Oktober 2019.

Ergebnisse Von insgesamt 92 teilnehmenden Züchtern beantworteten 64 alle Fragen. Neuweltkameliden wurden hauptsächlich zur Zucht (87 %) und Fasergewinnung (74 %) genutzt. Die mediane Herdengröße betrug 27 Tiere, wobei Stuten dominierten. Das Wissen zur Zucht eigneten sich die meisten Züchter (74 %) über persönliche Kontakte und Fortbildungen an. Die Bedeckung der Stuten erfolgte in der Mehrzahl der Zuchtbetriebe (57 %) mit einem eigenen, getrennt von den Stuten gehaltenen Hengst. Zur Trächtigkeitsdiagnostik wurde hauptsächlich (91 %) der Spucktest herangezogen und mit anderen Methoden, insbesondere der Ultraschalldiagnostik, kombiniert. Die Trächtigkeitsdauer der Stuten lag meist (88 %) im Referenzbereich von 335–360 Tagen. Wiederholte Probleme mit Trächtigkeitsverlusten gaben 76 % der Züchter bei weniger als 5 % ihrer Stuten an. Postpartale Probleme wurden insgesamt eher selten genannt und betrafen z. B. Milchmangel oder Mastitis (jeweils < 5 %). Mehr als die Hälfte der Züchter hatte in den letzten 3 Jahren Crias mit einem Problem während der Geburt, wobei hinsichtlich der Ursachen keine deutliche Häufung festgestellt werden konnte. Die Mehrheit der Befragten (69 %) war mit der tierärztlichen Betreuung in den Bereichen Versorgung, Trächtigkeit und Geburtshilfe zufrieden.

Schlussfolgerung Die Ergebnisse dieser Umfrage liefern neue Einblicke in das Management von Neuweltkameliden-Züchtern in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Weitere Studien könnten diese Praktiken mit denen in Ländern vergleichen, in denen die Zucht südamerikanischer Kameliden eine längere Tradition und andere kommerzielle Hintergründe hat.

Klinische Relevanz Die Ergebnisse helfen Tierärzten, sich auf mögliche Probleme und Fragestellungen in der Betreuung von Neuweltkameliden hinsichtlich des Reproduktionsmanagements vorzubereiten.

Abstract

Objective South American camelids have become popular with an increasing number of breeders in Austria, Germany and Switzerland. The aim of the present online survey was to gain information concerning housing and management of South American camelids, particularly during pregnancy and parturition.

Material and methods A link to the online survey was sent via email to 8 breeder associations in Austria, Germany and Switzerland. The questionnaire included a total of 24 closed or open questions. The period for participation was May to October 2019.

Results A total of 92 breeders participated and 64 answered all questions. The survey revealed that South American camelids were mainly used for breeding (87 %) and production of fibre (74 %). The median flock size was 27 animals, mainly females. Most breeders (74 %) acquired their knowledge on South American camelids via personal contacts and advanced training courses. The majority (57 %) mated their females with an own sire that is kept separately. Using teaser males was the most popular pregnancy test (91 %), often combined with other techniques, especially ultrasonography. In most mares (88 %) duration of pregnancy was in the normal range of 335–360 days. Repeated problems with loss of pregnancy were reported by 76 % of breeders for less than 5 % of their mares. Postpartum problems occurred sporadically, e. g. lack of milk or mastitis (each < 5 %). Problems with the cria at parturition within the last 3 years were reported by > 50 % of the breeders, but reported reasons for dystocia showed no clear focus. The majority of the participants (69 %) were satisfied with the veterinary care in general and in the fields of pregnancy and obstetrics.

Conclusion The results of this survey provide new insights into the management practices of South American camelids breeders in Austria, Germany and Switzerland. Further studies could compare these practices with those in countries where breeding of South American camelids possesses a longer tradition and different commercial backgrounds.

Clinical relevance The results provide information to practitioners in preparation for problems and challenges in the veterinary care of South American camelids.



Publication History

Received: 16 July 2020

Accepted: 24 September 2020

Publication Date:
04 December 2020 (online)

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