Rofo
DOI: 10.1055/a-1313-7527
Review

Pränatale Strahlenexposition in der diagnostischen und interventionellen Radiologie

Article in several languages: English | deutsch
Martin Fiebich
1  Institute of Medical Physics and Radiation Protection, University of Applied Sciences Giessen, Germany
,
Andreas Block
2  Institute for Medical Radiation Physics and Radiation Protection, Hospital of Dortmund gGmbH, Dortmund, Germany
,
Markus Borowski
3  Institute of Radiology and Nuclear Medicine, Municipal Hospital Braunschweig, Germany
,
Lilli Geworski
4  Department of medical physics and radiation protection, Hannover Medical School, Hannover, Germany
,
Christian Happel
5  Department of Nuclear Medicine, Goethe University Frankfurt; University Hospital, Frankfurt am Main, Germany
,
Alexandra Kamp
6  Department Medical and Occupational Radiation Protection, Federal Office for Radiation Protection Neuherberg, Germany
,
Horst Lenzen
7  Department of Clinical Radiology, University Hospital Münster, Germany
,
Andreas H. Mahnken
8  Department of Diagnostic and Interventional Radiology, Phillips University Marburg; Marburg University Hospital, Marburg, Germany
,
Wolfgang-Ulrich Müller
9  Institute of Medical Radiation Biology, University Hospital Essen, Germany
,
Gebhard Östreicher
10  Medical Physics and Radiation Protection, University Hospital Augsburg, Germany
,
Frank Rudolf
4  Department of medical physics and radiation protection, Hannover Medical School, Hannover, Germany
,
Georg Stamm
11  Department of Diagnostic and Interventional Radiology, University Medical Center Göttingen, Göttingen, Germany
,
Peter Starck
12  Institute of Diagnostic and Interventional Radiology, Medical Physics, Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH, Karlsruhe, Germany
,
Beatrice Steiniger
13  Department of Diagnostic and Interventional Radiology, Jena University Hospital, Jena, Germany
,
Jan-Henryk Wicke
4  Department of medical physics and radiation protection, Hannover Medical School, Hannover, Germany
,
Ulrich Wolf
14  Department of Radiation Oncology, University Hospital Leipzig, Germany
,
Michael Wucherer
15  Institute of Medical Physics, Nuremberg General Hospital, Paracelsus Medical University, Nuremberg, Germany
,
Maria Zankl
16  Institute of Radiation Medicine, Helmholtz Zentrum München German Research Center for Environmental Health, Neuherberg, Germany
,
Klemens Zink
1  Institute of Medical Physics and Radiation Protection, University of Applied Sciences Giessen, Germany
,
Claudia Zweig
17  Clinic for Radiooncology and Radiotherapy; Department Medical Radiological Physics, Hospital Carl-Thiem-Klinikum Cottbus gGmbH, Cottbus, Germany
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Zusammenfassung

Hintergrund Die Exposition einer Schwangeren mit Röntgenstrahlung ist ein Ereignis, das bei allen Beteiligten Unsicherheit hervorrufen kann. Diese Übersichtsarbeit gibt Hinweise, wie eine derartige Situation zu bewerten ist und wie die Dosis für das ungeborene Kind ermittelt werden kann. Generell gilt, dass die Anwendung von Röntgenstrahlung bei Schwangeren in der Radiologie möglichst vermieden, Alternativen genutzt oder die Anwendung auf einen Zeitpunkt nach der Schwangerschaft verschoben werden sollen. Diese Übersichtsarbeit gibt eine Zusammenfassung der Vorgehensweise zur Bestimmung der Strahlenexposition einer Schwangeren.

Methode Auf Basis des Vorgängerberichts von 2002 und der danach publizierten Literatur zur pränatalen Strahlenexposition wurde der DGMP/DRG-Bericht zur Vorgehensweise bei der Bewertung der pränatalen Strahlenexposition dem Stand von Wissenschaft und Technik angepasst.

Ergebnisse Typischerweise treten in der Röntgendiagnostik in den überwiegend meisten Fällen nur relativ geringe Strahlenexpositionen kleiner als 20 mSv für das Ungeborene auf. Bei diesen Dosen ist das durch die Strahlung erzeugte zusätzliche Risiko für eine Schädigung des Embryos bzw. des Fötus gering und daher erfolgt hier nur eine grobe konservative Abschätzung nach Tabellenwerten. Nur bei wenigen Untersuchungsarten (CT oder interventionelle Radiologie) können höhere Werte der Uterusdosis erreicht werden. Statt der Dosisabschätzungen (Stufe 1 im 2-Stufen-Modell) sind in diesen Fällen Berechnungen (Stufe 2) zur Bestimmung der Dosis erforderlich und ggf. auch weitergehende Handlungen der Ärztin/des Arztes notwendig.

Schlussfolgerungen Es ist sinnvoll, bei der Bewertung zunächst mit einfachen konservativen Abschätzverfahren schnell festzustellen, ob ein Fall in diese große Gruppe kleiner als 20 mSv fällt, bei der eine sehr geringe Gefährdung des Embryos oder Fötus vorliegt. Ist dies der Fall, so soll die Schwangere von der Ärztin/dem Arzt, die/der die Untersuchung/Behandlung durchgeführt hat, sogleich davon unterrichtet werden. Dies vermeidet eine psychologische Belastung der Patientin. Der DGMP/DRG-Bericht schlägt ein relativ einfaches, klar strukturiertes Vorgehen vor, mit entsprechenden Vorteilen für alle Beteiligten (Arzt, Medizinphysik-Experten, MTRA und Patient).

Kernaussagen

  • Der DGMP/DRG-Bericht zur pränatalen Strahlenexposition beschreibt die Vorgehensweise bei der Berechnung der Strahlenexpositionen und der damit verbundenen Risiken für das Ungeborene.

  • Dem 2-Stufen-Modell folgend ist für die meisten pränatalen Strahlenexpositionen nur eine einfache Abschätzung nach der ersten Stufe notwendig.

  • Anhand von Tabellenwerten ist eine Abschätzung einzelner Risiken für das Ungeborene unter Berücksichtigung der Strahlenexposition möglich.

  • Nur im seltenen Fall, dass die erste Abschätzung eine Uterusdosis größer als 20 mSv ergibt, ist eine genauere Berechnung notwendig.

Zitierweise

  • Fiebich M, Block A, Borowski M et al. Prenatal radiation exposure in diagnostic and interventional radiology. Fortschr Röntgenstr 2020; DOI: 10.1055/a-1313-7527



Publication History

Received: 08 June 2020

Accepted: 04 November 2020

Publication Date:
16 December 2020 (online)

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