Phlebologie 2022; 51(04): 201-212
DOI: 10.1055/a-1818-1369
CME-Fortbildung

Versorgung von chronischen Wunden und Wundheilungsstörungen

Management of chronic wounds and wound healing disorders
Christoph Giebeler
,
Stefan Riecke
,
Stefan Riedl

Das Verständnis von Wundheilung hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert, sodass die gebräuchlichen Definitionen von akuten und chronischen Wunden, aber auch einer Primär- und Sekundärheilung nicht mehr hilfreich sind. Dieser Beitrag bringt bekannte Aspekte der Wundheilung so miteinander in Bezug, dass Wunden systematisch beurteilt, die Ursachen von Wundheilungsstörungen erkannt und strukturierte Therapien durchgeführt werden können.

Abstract

Physiological healing processes with their separate phases are much better understood today. Current definitions of acute or chronic healing processes, and primary or secondary healing, are therefore being superseded. Impaired healing is characterized by a lack of transition from one phase of healing to the next, which needs medical treatment like any pathological process. Comprehensive diagnostics, followed by a definition of the therapeutic goal and structured treatment planning, can deliver an effective cure. Such a structured process can be followed alongside well-established treatment requirements. Together with data from a wound register these protocols can form the basis for the quality management in wound treatment. The goal of up-to-date wound treatment remains increase the patients’ quality of life to effectively and sustainably.

Kernaussagen
  • Jeder Chirurg sollte die Grundlagen zur Erkennung von Wundheilungsstörungen und deren Behandlung kennen. Eine ungezielte Therapie von chronischen Wunden entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Wundtherapie.

  • Durch ein besseres Verständnis der physiologischen Wundheilung mit ihren einzelnen aufeinander folgenden Phasen relativeren sich die gebräuchlichen Definitionen einer akuten und chronischen Wunde oder einer Primär- und Sekundärheilung.

  • Der fehlende Übergang einer Wundheilungsphase in die nächste kennzeichnet eine Wundheilungsstörung, die als pathologischer Vorgang wie eine Erkrankung ärztlicher Behandlung bedarf.

  • Eine umfassende Diagnostik mit Bestimmung eines Therapieziels und eine strukturierte Therapie sind erforderlich, um die Behandlung einer Wundheilungsstörung möglichst wirksam durchzuführen.

  • Dieses strukturierte Vorgehen, das ohne Widerspruch zu etablierten Verfahren eingesetzt werden kann, wäre geeignet, als Basis für ein Qualitätsmanagement in der Wundbehandlung zu dienen, indem Daten eines Wundregisters ausgewertet werden können.

  • Ziel modernen Wundmanagements bleibt, die Lebensqualität der Patienten mit chronischen Wunden so wirksam und nachhaltig wie möglich zu verbessern.



Publication History

Article published online:
10 August 2022

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