Dtsch Med Wochenschr 2023; 148(12): 752-758
DOI: 10.1055/a-1970-9211
Klinischer Fortschritt
Infektiologie

Clostridioides difficile – Neue Erkenntnisse und Therapieempfehlungen

Clostridioides difficile – New Insights and Therapy Recommendations
Sebastian Schönherr
1   Bereich Infektiologie und Tropenmedizin, Klinik und Poliklinik für Hämatologie, Zelltherapie, Hämostaseologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
2   Interdisziplinäres Zentrum für Infektionsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig (Ringgold ID: RIN39066)
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Laura Jung
1   Bereich Infektiologie und Tropenmedizin, Klinik und Poliklinik für Hämatologie, Zelltherapie, Hämostaseologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
2   Interdisziplinäres Zentrum für Infektionsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig (Ringgold ID: RIN39066)
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1   Bereich Infektiologie und Tropenmedizin, Klinik und Poliklinik für Hämatologie, Zelltherapie, Hämostaseologie und Infektiologie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
2   Interdisziplinäres Zentrum für Infektionsmedizin, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig (Ringgold ID: RIN39066)
3   Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin, Klinikum St. Georg, Leipzig
› Institutsangaben

Was ist neu?

Epidemiologie In einer aktuellen epidemiologischen Arbeit zeigt sich ein seit 2013 rückläufiger Trend von Clostridioides-difficile-Infektionen (CDI) in Deutschland, zusammen mit einer Abnahme des Anteils hypervirulenter Ribotypen (vor allem RT 027 und RT 078). Dennoch bleibt die Krankheitslast hoch und insbesondere ältere und vorerkrankte Patientinnen und Patienten sind häufig betroffen. Aktuelle US-amerikanische Daten zeigen, dass bei älteren Patientinnen und Patienten insbesondere CDI-Rezidive, assoziierte psychiatrische Diagnosen wie Depressionen sowie Folgeerkrankungen wie Sepsis eine hohe Krankheitslast für Betroffene darstellen.

Mikrobiologie Neue Studien liefern Erkenntnisse zum Zusammenspiel von C. difficile mit anderen Darmpathogenen; so scheinen Koinfektionen mit Enterokokken zu einer erhöhten Virulenz von C. difficile beizutragen.

Neue europäische Therapieleitlinie Nach der 2021 aktualisierten ESCMID-Leitlinie ist Fidaxomicin aufgrund des geringeren Rezidivrisikos Mittel der ersten Wahl für erstmalig auftretende und rezidivierende CDI. Metronidazol dagegen sollte nur dann zum Einsatz kommen, wenn weder Fidaxomicin noch Vancomycin zur Verfügung stehen. Die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) hat sich im Rahmen eines individuellen Heilversuchs zur Behandlung mehrfach rezidivierender CDI etabliert; allerdings wurden die regulatorischen Auflagen dafür im Zuge der Corona-Pandemie weiter verschärft. Auch bei refraktär verlaufender fulminanter CDI kann die FMT als Alternative zur chirurgischen Intervention erwogen werden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten Mit dem Small-Molecule-Antibiotikum Ridinilazol könnte in Zukunft neben Fidaxomicin ein weiteres CDI-Antibiotikum mit schmalem Wirkspektrum und kaum enteraler Resorption zur Verfügung stehen. Die orale Mikrobiota-Therapie mittels aufgereinigter Firmicutes-Sporen (SER-109) zeigte in einer aktuellen Phase-III-Studie vielversprechende Ergebnisse und könnte in Zukunft durch die Anwendung in oralen Kapseln eine unkomplizierte Alternative zur FMT darstellen.

Toxoid-Impfstoff Die Hoffnungen auf einen gut wirksamen Toxoid-Impfstoff zur Primär- und Sekundärprävention von CDI haben sich in der CLOVER-Studie leider nicht erfüllt.

Abstract

After an increase in Clostridioides difficile infections (CDI) until 2013 due to epidemic ribotypes such as 027 and 078, CDI incidence in Germany is now declining, as confirmed by recent epidemiological data. Despite this success through antimicrobial stewardship and hospital hygiene, the burden of disease remains high, especially in older patients (>65 years) with comorbidities. The main risk factor for CDI is the use of broad-spectrum antibiotics, which disrupt the gut microbiota, allowing C. difficile colonization. Coinfection with other intestinal pathogens such as enterococci can further increase the virulence of C. difficile. The updated 2021 ESCMID guidelines recommend fidaxomicin instead of vancomycin as the antibiotic of choice for the treatment of CDI because of its lower recurrence rate. Vancomycin remains a good alternative; however, metronidazole should only be used if neither antibiotic is available. In the future, ridinilazole may be available as another therapeutic option that has a narrow spectrum of activity and low intestinal absorption. For the treatment of recurrent CDI, the new guidelines also include the use of the monoclonal antibody bezlotoxumab. In addition, a new oral microbiome therapy, SER-109 (capsules containing purified Firmicutes spores), which showed promising results in a phase 3 study, may provide an easy-to-administer alternative to fecal microbiota transplantation. Hopes for a well-performing toxoid vaccine for primary and secondary prevention of CDI have unfortunately not been fulfilled in the CLOVER trial.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
31. Mai 2023

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