Aktuelle Kardiologie 2025; 14(06): 456-461
DOI: 10.1055/a-2708-2116
Kurzübersicht

Genetik der Hypertonie – was ist wichtig?

Genetics of Hypertension – What is Important?

Authors

  • Raphael Siegfried Schmieder

    1   Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum, München, Deutschland (Ringgold ID: RIN14924)
  • Heribert Schunkert

    1   Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum, München, Deutschland (Ringgold ID: RIN14924)

Zusammenfassung

Die arterielle Hypertonie entwickelt sich auf dem Boden eines komplexen Zusammenspiels von genetischen, epigenetischen und exogenen Faktoren. Zwar sind monogene Formen des Bluthochdrucks selten, sie ermöglichen jedoch wertvolle Einblicke in die Pathophysiologie der Erkrankung. In den letzten Jahren haben genomweite Assoziationsstudien (GWAS) mit über einer Million individueller Datensätze die Identifizierung von hunderten Einzel-Nukleotid-Polymorphismen (SNP) ermöglicht, die mit sehr großer statistischer Wahrscheinlichkeit einen jeweils kleinen Beitrag zur Entstehung der Hypertonie liefern. Die funktionelle Bedeutung dieser SNP wird mit experimentellen und multimodalen Ansätzen untersucht. Polygene Risikoscores (PRS) integrieren die Effekte der vielen SNP und können das individuelle Hypertonierisiko besser vorhersagen. Auch der Einfluss genetischer Polymorphismen auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit etablierter blutdrucksenkender Medikamente rückt dabei in den Fokus. Aktuell beschränkt sich die Leitlinienempfehlung zur genetischen Testung allerdings noch auf monogene Verdachtsfälle, wenn eine schwere Hypertonie familiärer Belastung vorliegt.

Abstract

Arterial hypertension is determined by the complex interplay of genetic and epigenetic factors, as well as their interaction with environmental factors. While monogenic forms of hypertension are uncommon, they have provided valuable insights into the condition’s pathophysiology. Most recently, genome-wide association studies (GWAS) involving over one million individuals have enabled the identification of single nucleotide polymorphisms (SNP) that affect blood pressure regulation. The functional relevance of these SNP is being investigated using experimental and multimodal approaches. Polygenic risk scores (PRS), that integrate the effects of these SNP, aim to predict an individual’s risk of hypertension. The influence of genetic polymorphisms on the efficacy and tolerability of established antihypertensive drugs is also coming into focus. Currently, the guideline recommendation for genetic testing is still limited to severe cases with a strong family history and suspected monogenic origin.

Was ist wichtig?
  • Genetische Faktoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung der arteriellen Hypertonie – neben Umwelt, Lebensstil und Hormonen.

  • Monogene Formen sind selten, aber pathophysiologisch aufschlussreich: Sie liefern Modellbeispiele für grundlegende Mechanismen der Blutdruckregulation.

  • Polygene Varianten sind weit verbreitet und wirken kumulativ – ihre Identifikation durch GWAS (genomweite Assoziationsstudien) hat das Verständnis der Hypertoniegenetik revolutioniert.

  • Polygene Risikoscores (PRS) ermöglichen erstmals eine genetische Risikoabschätzung, sind aber noch nicht klinischer Standard.

  • Pharmakogenetische Erkenntnisse könnten künftig helfen, antihypertensive Therapien individuell anzupassen.



Publication History

Article published online:
24 November 2025

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