Aktuelle Kardiologie 2025; 14(06): 445-450
DOI: 10.1055/a-2708-2148
Kurzübersicht

Hypertonie in der Schwangerschaft

Hypertension in Pregnancy

Authors

  • Lucas Bacmeister

    1   Klinik für Kardiologie und Angiologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland (Ringgold ID: RIN14879)
  • Annette Buellesbach

    1   Klinik für Kardiologie und Angiologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland (Ringgold ID: RIN14879)
  • Elias Noory

    1   Klinik für Kardiologie und Angiologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland (Ringgold ID: RIN14879)

Zusammenfassung

Bluthochdruckerkrankungen gehören zu den häufigsten medizinischen Problemen in der Schwangerschaft und sind mit erheblichen Risiken für Mutter und Kind verbunden. Rund 5–10% aller Schwangeren sind betroffen. Dabei bleiben die Auswirkungen nicht auf die Schwangerschaft beschränkt: Hypertensive Erkrankungen der Schwangerschaft sind ein Frühindikator für eine dauerhaft erhöhte kardiovaskuläre Vulnerabilität der betroffenen Frauen. Hypertonie in der Schwangerschaft ist daher nicht nur eine akute interdisziplinäre Herausforderung, sondern erfordert auch eine sektorenübergreifende Nachsorge über die Entbindung hinaus. Der folgende Beitrag gibt einen kompakten Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu diesem Thema – mit besonderem Fokus auf klinisch relevante Aspekte für die tägliche Praxis von Kardiologinnen und Kardiologen.

Abstract

Hypertensive disorders are among the most common medical complications during pregnancy and pose significant risks to both mother and child, affecting approximately 5–10% of all pregnancies. However, their impact extends beyond pregnancy: these conditions are early indicators of a persistently increased cardiovascular vulnerability in affected women. Hypertension in pregnancy is therefore not only an acute interdisciplinary challenge but also requires coordinated long-term follow-up beyond delivery. This article provides a concise overview of the current state of evidence on the topic, with a particular focus on clinically relevant aspects for cardiologists.

Was ist wichtig?
  • Ein Blutdruck ≥ 140/90 mmHg gilt in der Schwangerschaft als pathologisch.

  • Das Präeklampsie-Risiko kann bereits im 1. Trimenon mithilfe des FMF-Screenings (FMF: Fetal Medicine Foundation) individuell abgeschätzt werden.

  • Eine frühzeitige Prophylaxe mit Acetylsalicylsäure (ASS) senkt das Risiko einer Präeklampsie.

  • Leitlinien (European Society of Cardiology [ESC], European Society of Hypertension [ESH], Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften [AWMF]) empfehlen übereinstimmend eine Blutdruckbehandlung ab 140/90 mmHg. Zielwerte liegen bei < 140/90 mmHg bzw. ≤ 135/85 mmHg (AWMF).

  • Der diastolische Blutdruck sollte nicht unter 80 mmHg gesenkt werden.

  • Als medikamentöse Optionen sind Nifedipin retard, Labetalol/Metoprolol und Methyldopa Mittel der Wahl; RAAS-Hemmer (RAAS: Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) sind kontraindiziert.

  • Engmaschige Blutdruckkontrolle im Wochenbett ist essenziell; geeignete Medikamente in der Stillzeit sind Metoprolol, Nifedipin, Amlodipin, Enalapril und Captopril.

  • Frauen mit hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen haben ein etwa doppelt so hohes Risiko für spätere kardiovaskuläre Ereignisse. Eine strukturierte Nachsorge ist entscheidend.



Publication History

Article published online:
24 November 2025

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