Aktuelle Kardiologie 2025; 14(06): 451-455
DOI: 10.1055/a-2708-2174
Kurzübersicht

Hypertonie bei Diabetes und Herzinsuffizienz

Arterial Hypertension and Diabetes in Heart Failure

Autoren

  • Samira Soltani

    1   Klinik für Kardiologie und Angiologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
  • Johann Bauersachs

    1   Klinik für Kardiologie und Angiologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland

Zusammenfassung

Die arterielle Hypertonie zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und tritt häufig gemeinsam mit Diabetes mellitus und Herzinsuffizienz auf – eine Kombination mit deutlich erhöhtem kardiovaskulärem Risiko. Rund 70% der Diabetiker haben auch eine Hypertonie. Hypertonie begünstigt sowohl die Herzinsuffizienz mit reduzierter (HFrEF) als auch die Herzinsuffizienz mit erhaltener (HFpEF) Ejektionsfraktion. Bei HFrEF sind Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren/ACE-Inhibitoren/Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker (ARNI/ACEi/ARB), Betablocker, SGLT2-Hemmer (SGLT2: Natrium-Glukose-Cotransporter 2) und Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA) Standard der Herzinsuffizienztherapie. Die Therapie sollte bei weiter bestehendem Bluthochdruck um einen langwirksamen Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ wie Amlodipin oder Felodipin ergänzt werden. Bei HFpEF sind SGLT2-Hemmer und Diuretika leitlinienempfohlen. Hier sollte bei arterieller Hypertonie die Therapie zunächst um einen ACE-Hemmer bzw. ARB ergänzt werden, auch ein MRA (bevorzugt Spironolacton) kann zur weiteren Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Als zusätzliche Eskalationsstufe stehen auch hier langwirksame Kalziumkanalblocker zur Verfügung. Bei Diabetes und einer arteriellen Hypertonie sind SGLT2-Hemmer und ACE-Hemmer/ARB bevorzugt. Ergänzend kommen zur Blutdruckeinstellung Kalziumantagonisten, Diuretika und MRA zum Einsatz.

Abstract

Arterial hypertension is one of the most common chronic conditions and often occurs in conjunction with type 2 diabetes and heart failure – a combination associated with increased cardiovascular risk. Approximately 70% of patients with diabetes also have arterial hypertension. Hypertension contributes to development of both HFrEF and HFpEF. In HFrEF, treatment focuses on angiotensin receptor-neprilysin inhibitors (ARNI), ACE inhibitors (ACEi), angiotensin receptor blockers (ARB), beta-blockers, SGLT2 inhibitors, and mineralocorticoid receptor antagonists (MRA). If elevated blood pressure persists, a long-acting calcium channel blocker of the dihydropyridine type can be added. For HFpEF, current guidelines recommend SGLT2 inhibitors and diuretics. To treat hypertension, therapy should be expanded with an ACEi or ARB; an MRA (preferably spironolactone) may also be used for further blood pressure control. Long-acting calcium channel blockers are an additional option for treatment escalation. In patients with both diabetes and hypertension, SGLT2 inhibitors and ACEi/ARB are preferred. For additional blood pressure control calcium antagonists, diuretics und MRA can be added.

Was ist wichtig?
  • Die arterielle Hypertonie ist sehr häufig in Deutschland. Sie ist nicht nur ursächlich, sondern auch ein wichtiger Einflussfaktor auf das Outcome bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz oder einem Diabetes mellitus.

  • Bei Herzinsuffizienz muss generell eine arterielle Hypertonie streng eingestellt werden. So sollte bei Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (< 50%, HFrEF/HFmrEF) die optimale Herzinsuffizienztherapie mit Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor/ACE-Hemmer (ARNI/ACEi), Betablocker, Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist (MRA, bei Hypertonie bevorzugt Spironolacton) und SGLT2-Hemmer (SGLT2: Natrium-Glukose-Cotransporter 2) in der Standarddosierung sowie langwirksame Diuretika eingesetzt werden. Reicht dies nicht aus zur RR-Einstellung, können zusätzlich langwirksame Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ wie Amlodipin oder Felodipin ergänzt werden. Alphablocker bzw. eine renale Denervierung stellen weitere Eskalationsstufen dar. Bei bestehender Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (≥ 50%, HFpEF) sollte die Therapie mit einem SGLT2-Inhibitor und Diuretikum um einen ACE-Hemmer/ARB (ARB: Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker) und/oder einen MRA (bevorzugt Spironolacton) ergänzt werden. Auch hier kann die Therapie der arteriellen Hypertonie noch mit Kalziumkanalantagonisten bzw. Alphablocker eskaliert werden.

  • Besteht neben einem Diabetes mellitus eine arterielle Hypertonie, so sollte die antihypertensive Therapie um einen ACE-Hemmer/ARB bzw. um einen Kalziumkanalblocker ergänzt werden. Weiterhin sollte bei Patienten unter 60 Jahren das kardiovaskuläre Risiko anhand des SCORE2-Diabetes errechnet werden.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
24. November 2025

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