Z Allg Med 2008; 84(12): 525-531
DOI: 10.1055/s-0028-1104605
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schlafstörungen in der Hausarztpraxis – brauchen wir einen Leitfaden?

Sleep Disorders in the Physician's Office – Do we need a Guideline?S. Bohn 1 , S. Fröschen-Behrens 1 , N. Kuth 1
  • 1Lehrgebiet Allgemeinmedizin, RWTH Aachen University, Aachen
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Publication History

eingereicht: 01.08.2008

akzeptiert: 10.11.2008

Publication Date:
02 January 2009 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Schlafstörungen stellen eine häufige Erkrankung in der hausärztlichen Praxis dar. Insbesondere die damit verbundene enorme psychische Belastung für die Betroffenen macht eine optimierte Diagnostik und Therapie unverzichtbar.

Methoden: In einer Fragebogenumfrage in Aachen und Umgebung wurde die Vorgehensweise der Hausärzte bei den verschiedenen Ursachen von Schlafstörungen untersucht. Zusätzlich wurde der Einfluss verschiedener soziodemografischer Daten auf die Ergebnisse überprüft.

Ergebnisse: Trotz Wahrnehmung des Krankheitswertes von Schlafstörungen nimmt etwa ein Viertel der befragten Ärzte keine Unterteilung der Schlafstörungen in Kategorien vor. Aus der Auswertung geht insgesamt ein mangelnder Einsatz von unterstützenden Fragereihen für die Diagnostik eines Restless-Legs-Syndroms, obstruktiven Schlafapnoesyndroms und von Depressionen hervor. Insbesondere der Gebrauch von Medikamenten für die Behandlung der primären Insomnien sowie des Restless-Legs-Syndroms entspricht teilweise nicht der aktuellen Evidenzlage. Außerdem stimmt der Großteil der Hausärzte der Neukonzeption eines Leitfadens zu. Für spezielle soziodemografische Daten ließen sich ferner statistische Zusammenhänge mit den Ergebnissen nachweisen.

Schlussfolgerung: Diese Studie lässt Verbesserungsbedarf in der Diagnostik und Therapie erkennen, dem mithilfe eines schematischen Vorgehens in Form eines Leitfadens begegnet werden kann und zudem von dem Großteil der befragten Hausärzte als notwendig empfunden wird. Dieser weist dazu auf diejenigen Fragereihen hin, welche die Diagnosefindung zuverlässig unterstützen und bietet mögliche evidenzbasierte Behandlungsoptionen an. Er schafft somit die Möglichkeit, die Anzahl unterdiagnostizierter und fehlbehandelter Schlafstörungen inklusive deren Folgen zu reduzieren. Der Einfluss der soziodemografischen Daten auf die Vorgehensweise der Hausärzte kann bei der Erstellung eines gruppenspezifischen Leitfadens nützlich sein.

Abstract

Introduction: Sleep disorders represent a frequent disease in the physician's office. Especially the associated enormous psychic burden on the concerned persons makes optimized diagnostics and therapies indispensible.

Methods: The family practitioners’ approach in regard to the different causes of sleep disorders has been analyzed via a questionnaire survey in Aachen (Germany) and surroundings. Moreover, the impact of different sociodemographic data on the results has been inspected.

Results: Despite recognising the pathological significance, approximately one fourth of the asked doctors do not classify between the different kinds of sleep disorders. The analysis reveals a paucity of application concerning certain supporting question systems for the diagnosis of restless legs syndromes, obstructive sleep apnoeas and depressions. Especially the utilisation of pharmaceuticals for the treatment of primary insomnia and restless legs syndromes does partly not correspond to the current status of evidence. The majority of the family doctors agrees to the reestablishment of a guideline. Further, for special sociodemographic data significant correlations with the results could be detected.

Conclusion: This study exposes the need for diagnostic and therapeutic improvements which can be met by a schematic approach in form of a guideline which is also supported by the majority of the asked doctors. This guideline indicates those question systems which contribute to a reliable determination of the diagnosis and it provides possible evidence based treatment options. It therefore offers the opportunity to reduce the number of underdiagnosticated and untreated sleep disorders including their complications. The sociodemographic data's impact on the family doctors’ approach can be useful for the implementation of a guideline based on group specific characteristics.