Aktuelle Neurologie 2009; 36(5): 221-226
DOI: 10.1055/s-0029-1220337
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Klinische Phänotypen hereditärer Myopathien und die Indikation zur Muskelbiopsie

Update on Phenotypes of Hereditary Myopathies and Indication for a Muscle BiopsyB.  Schoser1
  • 1Friedrich-Baur-Institut, Neurologische Klinik Großhadern, Ludwig-Maximilians-Universität München
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
02. Juni 2009 (online)

Zusammenfassung

Klassisches Leitsymptom einer Myopathie ist eine symmetrische, proximal betonte Schwäche und Atrophie der Extremitätenmuskulatur ohne Sensibilitätsstörung. Eine Vielzahl von familiären myopathischen Syndromen wurden über die letzten 100 Jahre beschrieben. Mithilfe molekulargenetischer Methoden wurden viele dieser Syndrome in den letzten Jahren entschlüsselt und das entsprechende Genprodukt charakterisiert. Die aktuelle Klassifikation degenerativer Muskeldystrophien umfasst 2 X-chromosomale, 7 dominante und 15 rezessive Gliedergürteldystrophien, 8 myofibrilläre Myopathien und 4 dominante Repeat-assoziierte Dystrophien. Zusätzlich sind kongenitale Muskeldystrophien mit und ohne Strukturbesonderheiten, hereditäre metabolische Myopathien, hereditäre Einschlusskörpermyopathien und mitochondriale Myopathien genetisch abgrenzbar. Um die molekulare Pathogenese besser zu verstehen und damit zukünftige spezifische Therapieoptionen für diese Patienten anbieten zu können, ist heute eine genaue Klassifikation sinnvoll und notwendig. Dazu muss bei den meisten kongenitalen und rezessiven Muskeldystrophien sowie metabolischen Myopathien weiterhin der Weg über eine offene Muskelbiopsie gewählt werden, da ein „diagnostischer Muskeldystrophie-Genchip” noch nicht existiert. Dominant erbliche Muskelerkrankungen, unter ihnen insbesondere die Gruppe der Repeat-assoziierten Myopathien, können schon heute direkt molekulargenetisch diagnostiziert werden. Im Gegensatz dazu muss auch heute bei erworbenen Myopathien eine offene Muskelbiopsie durchgeführt werden. Surrogatmarker wie Kreatinkinase, Muskel-Kernspintomografie oder sog. Myositisserologien sind hilfreich für den Verlauf oder bei der Auswahl der Entnahmestelle der Gewebeprobe, können aber keine artspezifische Diagnose oder Indikation zu einer immunsuppressiven Therapie stellen. Trotz enormer Fortschritte in Grundlage und Diagnostik hereditärer Myopathien sind weiterhin einzelne Myopathien noch nicht klassifiziert. Ebenso sind eine Vielzahl von Gen- und Proteinfunktionen in unserem größten Organ, dem Skelettmuskel, noch unerforscht.

Abstract

The classic presentation of a myopathic syndrome is a symmetrical proximal weakness and atrophy of limb muscles. Over the past 100 years many familial myopathic syndromes have been described. By the use of molecular genetics many of these syndromes are now classified and gene products are characterised. Today at least 2 X-chromosomal, 7 dominant, 15 recessive limb girdle muscular dystrophies (LGMDs), 8 myofibrillar myopathies, and 4 repeat associated myopathies are genetically classified. Beyond this, congenital myopathies, hereditary inclusion body myopathies, hereditary metabolic myopathies, and mitochondrial myopathies can be genetically distinguished. For future therapy and better understanding of the basic molecular mechanisms, a definite genetic diagnosis is nowadays important. In the absence of the „diagnostic gene chip”, the indication for an open incision muscle biopsy is still obligate for making the diagnosis in recessive LGMDs, metabolic myopathies, and acquired myopathies, like inflammatory myopathies. In contrast, in dominant transmitted myopathic disorders a direct gene analysis is recommended. This survey focuses on myopathic syndromes and the indication for a diagnostic muscle biopsy.

Literatur

PD Dr. Benedikt Schoser

Friedrich-Baur-Institut, Neurologische Klinik Großhadern
Ludwig-Maximilians-Universität München

Ziemssenstr. 1a

80336 München

eMail: bschoser@med.uni-muenchen.de

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