Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2009; 19(5): 256-265
DOI: 10.1055/s-0029-1224161
Wissenschaft und Forschung

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Evaluation zweier interdisziplinärer Nachsorgestationen

Evaluation of Two Interdisciplinary Follow up Care UnitsT. Bochdansky1 , M. Böckelberger1 , W. Laube1 , K. Solti2 , H. Drexel2
  • 1Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation, LKH Feldkirch/Rankweil, Östereich (Prim. Univ.-Doz. Dr. Th. Bochdansky)
  • 2Abteilung für Innere Medizin, LKH Feldkirch – akademisches Lehrkrankenhaus, Österreich (Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinz Drexel)
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Publication History

eingereicht: 28.3.2008

angenommen: 7.5.2009

Publication Date:
24 September 2009 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) in der Fassung 2006 wird der Begriff „Remobilisation” zum einem im Zusammenhang mit „Akutgeriatrie” und zum anderem im Zusammenhang mit „Nachsorge” definiert. Seit 2005 gibt es am Landeskrankenhaus Rankweil (LKHR) und am Landeskrankenhaus Feldkirch (LKHF) – Schruns 2 „interdisziplinäre Nachsorgestationen”, wobei erstere (Station A) unter der alleinigen Leitung der Abteilung für Physikalischen Medizin und Rehabilitation (PMR) steht und zweitere (Station B) unter der gemeinsamen Leitung der Abteilung für Innere Medizin und PMR. Station A entspricht eher der Definition „Remobilisation/Nachsorge” und Station B eher der „Akutgeriatrie/Remobilsation”. Ziel der Untersuchung war es, die beiden Stationen zu evaluieren um anschließend die Ergebnisse für weitere strategische Planungen einander gegenüber zu stellen. Für die Beurteilung der Effektivität und somit in weiterer Folge auch der Effizienz war es notwendig, ein geeignetes Assessment sowohl zur Dokumentation der Mobilitätsentwicklung als auch zur Beschreibung der Gesamtsituation zusammen zu stellen, welches routinemäßig langfristig umsetzbar ist.

Material und Methode: Über einen Zeitraum von 6 Wochen wurden an beiden Stationen die Patienten zu Beginn der stationären Aufnahme und nach einem 2- bis 3-wöchigen Aufenthalt vor der Entlassung beurteilt. Auf beiden Stationen erhielten die Patienten neben der aktivierenden Pflege physiotherapeutische Behandlungen. Aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte in der Zuteilung der Patienten bekamen die Patienten am LKHR (Station A) noch zusätzlich Ergotherapie, und verschiedenste Formen physikalischer Modalitäten inklusive Hydrotherapie. Neben den persönlichen Daten wurde auch die Zahl der operativen und konservativen Diagnosen erhoben. An beiden Abteilungen wurde weiters der erweiterte Barthel-Index (EBI), der Tinetti – Test (TT), die Austrian Mobility Scale (AMS) und die visuelle Analogskala – Schmerz (VAS) bestimmt. Auf der Station A wurde zusätzlich noch der timed-up-and-go-Test (TUG) durchgeführt und die Zeit für eine 10 Meter Gehstrecke (10 mT) gemessen.

Ergebnisse: Auf Station A wurden 16 Männer und 52 Frauen und auf Station B 12 Männer und 42 Frauen untersucht. Das Durchschnittsalter betrug auf der Station A 70 Jahre (Min. 16a, Max. 90a) und auf der Station B 78 Jahre (Min. 49a, Max. 94a). der durchschnittliche Aufenthalt auf der Station A in der überwiegenden Zahl postoperativ betrug 13,7 Tage (SD: 6,3) und auf Station B nur zu ca. 55% postoperativ 15,5 Tage (SD: 5,7). Die Entlassung erfolgte während des Beobachtungszeitraumes auf Station A zu 100% nach Hause, auf Station B zu 92%. Auf beiden Stationen verbesserten sich zwar alle Parameter, jedoch war die Verbesserung des EBI nicht signifikant, die Verbesserung der AMS auf Station A nicht signifikant und auf Station B schwach signifikant. Auf beiden Stationen waren jedoch bereits beide Ausgangswerte relativ hoch. Am deutlichsten war die Verbesserung der Schmerzen auf beiden Stationen und die Verbesserung des Gleichgewichtes (TT, TUG) auf Station A. Im Vergleich der beiden Stationen war lediglich die AMS bei Aufnahme und der EBI bei Aufnahme und Entlassung auf Station A höher. Laut Angaben der Verwaltung betrugen die Tageskosten auf Basis Station A (=100%) auf der Station B 173%.

Schlussfolgerungen: Insgesamt konnte dargestellt werden, dass im Rahmen eines Akutkrankenhauses durch einen ca. 2-wöchigen stationären Aufenthalt an einer „interdisziplinären Nachsorgestation” eine Verbesserung des Gesamtstatus der Patienten erzielt werden kann. Das beschriebene Assessment kann in der klinischen Routine eingesetzt werden, es ist aufgrund des „Deckelungseffekts” lediglich zu entscheiden, welches der beiden verwendeten allgemeinen Mobilitätsscores verwendet werden sollte. Damit ist im Rahmen des Qualitätsmanagement eine strategische Planung in Bezug auf die Zuordnung („assignment”) der einzelnen Patienten zur Kostenoptimierung möglich.

Abstract

Background and purpose: In the Austrian structural concept of and health (ÖSG, 2006) the term “remobilisation” is used in connection with “geriatric” or with “follow up care”. Since 2005 there are 2 interdisciplinary remobilisation wards in the hospital of Rankweil (LKHR) and in the hospital of Feldkirch, university teaching hospital (LKHF). The one in Rankweil – ward A – is managed by the Department of Physical Medicine and Rehabilitation and the other one in Feldkirch/Schruns – ward B – is managed together with the Department of Internal Medicine. Ward A corresponds to “follow up care” and ward B corresponds more to “geriatric”. The aim of this investigation was to evaluate these two wards and the use these results for further planning. For that it was necessary to compile a catalogue of tests that can be used in daily routine to document the process of mobilisation and to describe the overall situation.

Methods: Over a period of 6 weeks patients were assessed at admission and before discharge of a 2–3 weeks stay. On both wards patients recieved activating care and physiotherapy, on ward A additionally occupational therapy and different forms of physical modalities including hydrotherapy had been offered. Beside the collection of personal data the Barthel Index (EBI), Austrian Mobility Scale (AMS), the Tinetti Test and the visual analogue scale – pain (VAS) has been determined on both wards. The timed up and go test (TUG) and the time of 10 m walking (10 mT) was measured on the ward A only.

Results: On Ward A 16 men and 52 women (mean age 70a; min 16a; max 90a) has been examined and on ward B 12 men and 42 women (mean age 78a; min 49a; max 94a). The mean length of stay was 13.7d on ward A and 15.5 d on wards B. The discharge home was 100% in ward A and 92% on ward B. All parameters improved on both wards, but EBI at admission and discharge was not significant different on both wards, AMS not significant on ward A and only weak significant on ward B. Both ward started with a relatively high level. The improvement was best seen in VAS on ward A and B and in TT and TUG on ward A. Comparing the two wards, only the EBI and AMS were better in ward A. According to the administration the daily cost of ward B was 173% (ward A=100%).

Conclusions: In an acute hospital patients improved in there overall mobility on an “interdisciplinary aftercare ward” during a period of 2 weeks. The catalogue of tests that has been described can be used in daily routine and the collected data can be used for further planning in quality control. According to the patients one has to decide, what kind of mobility scale has to be used because of the ceiling effect. In a cost-benefit calculation strategic planning for optimal assignment of patients is possible.

Literatur

Korrespondenzadresse

Prim. Univ.-Doz. Dr. T. Bochdansky

Abt. Physikalische Medizin und Rehabilitation

LKH Feldkirch/Rankweil

Valdunastraße 16

A-6830 Rankweil

Österreich

Email: thomas.bochdansky@lkhr.at

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