Sportverletz Sportschaden 2011; 25(2): 97-102
DOI: 10.1055/s-0029-1245886
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Refixation der distalen Bicepssehne mit 2 Fadenankern – Sportfähigkeit im 1-Jahres-Follow-up und operative Technik

Refixation of Distal Biceps Tendon Rupture using 2 Anchor Sutures – Sports Ability after 1 Year Follow-Up and Operative TechniqueO. Weber1 , G. Pagenstert2 , D. C. Wirtz1 , C. Burger1 , M. Wimmer1 , P. H. Pennekamp1 , S. Gravius1 , M. Müller1
  • 1Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universität Bonn
  • 2Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Universitätsspital Basel
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Publication Date:
24 May 2011 (online)

Zusammenfassung

Einleitung: Die distale Bizepssehnenruptur tritt häufig bei körperlich aktiven Männern zwischen ihrem 30. und 50. Lebensjahr auf. Als Goldstandard gilt die operative Refixation des Sehnenstumpfs loco typico an der Tuberositas radii, wobei die verschiedensten Techniken beschrieben werden. Angesichts der hohen Erwartungshaltung dieser Patienten haben wir im Kontext dieser Arbeit die Sportfähigkeit nach Refixation der Sehne mit Fadenankern untersucht und beschreiben die von uns verwendete OP-Technik. Material und Methode: Zwischen 2004 und 2008 wurden 20 männliche Patienten mit einem Durchschnittsalter von 41 ± 1,5 Jahren bei distaler Bizepssehnenruptur operativ versorgt und mit einem klinischen Nachuntersuchungszeitraum von einem Jahr erfasst. Neben der Befragung nach Veränderungen in ihrer sportlichen Aktivität überprüften wir die klinische Funktion nach dem Score von Rantanen und Orawa sowie die Flexions- und Supinationskraft im Seitenvergleich durch Messung mit einem Isokineten (Cybexnorm-Gerät). Daneben wurden die Komplikationen, das postoperative Bewegungsausmaß in Flexion/Extension und Pro-/Supination evaluiert. Eine radiologische Bildgebung des betroffenen Ellbogengelenks wurde durchgeführt. Ergebnisse: In 3 Fällen, bei denen nur 1 Fadenanker verwendet wurde, ereignete sich unmittelbar an die primäre Refixation eine Reruptur entweder durch Knotenversagen oder Fadendurchscheuern. Gemäß dem Score von Rantanen und Orawa erreichten 14 Patienten (70 %) ein sehr gutes, 3 Patienten (15 %) ein gutes Ergebnis und 3 Patienten (15 %) ein mäßiges Ergebnis. Der dominante Arm war in 14 Fällen betroffen. Die Kraftmessung im Seitenvergleich zeigte bei 3 Patienten eine geringfügige Minderung und bei 3 Patienten (Revisionsfälle) eine stärkere Beeinträchtigung des M. biceps brachii. 3 Patienten erlitten postoperativ passagere Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des Ramus superficialis des N. radialis. Eine Einschränkung der Extensionsfähigkeit von 10° lag in den 3 Revisionsfällen vor. Bei 3 Patienten lagen Rotationsdefizite von 10° vor. Ankerfehllagen konnten radiologisch in 2 Fällen festgestellt werden. Veränderungen im Sportverhalten konnten bei 8 Patienten erfasst werden. Die ursprüngliche Sportfähigkeit erreichten 12 Patienten nach im Durchschnitt 36 Wochen (Spanne 31 – 41 Wochen). Schlussfolgerung: Die stabile Refixation der distalen Bizepssehne ist durch Verwendung von 2 Fadenankern gewährleistet. Allerdings sollte die Ankerposition unter Röntgenkontrolle definiert werden. 12 Patienten erreichten nach im Durchschnitt 9 Monaten ihre ursprüngliche Sportfähigkeit wieder. Obwohl die klinischen Untersuchungsergebnisse in den meisten Fällen (n = 17) gut bis sehr gut sind, veränderten immerhin 8 Patienten ihr Sportverhalten hin zu weniger armbelastende Tätigkeiten. Revisionsoperationen oder Ankerfehllagen sollten vermieden werden, da schlechtere Ergebnisse zu erwarten sind.

Abstract

Background: Rupture of distal biceps tendon often occurs in physical active male persons between 30 and 50 years. The standard treatment consists of operative refixation of the ruptured tendon stump. In literature there are various methods described. Due to the high expectations of this group of patients, we examined the sports ability after 1 year follow-up and describe our employed operative fixation technique. Material: Between 2004 and 2008 we treated 20 male persons in a prospective study with distal biceps tendon rupture. Applying the score of Rattanen and Orawa we evaluated the M. biceps force in flexion and supination and changes in the patients’ sports activity. Furthermore we documented complications and the anchor localization via x-ray. Results: The score results varied between excellent in 14 patients and good and fair in 3 cases respectively. Using only 1 suture anchor (3 patients), either a knot or a wire failure appeared within 5 days. Anchor malpositions were discovered in 2 patients. The force measurement showed threetimes minor but in 3 patients major force deficits. Lack of extension or supination movement could be stated in 3 cases. Changes in their sports ability reported 8 persons. Of the remaining 12 patients, the original sports level was reached after 9 months. Conclusion: Two anchors proved to guarantee a stable fixation of the distal biceps tendon stump. On the contrary we see the danger of fixation failure in using only 1 anchor. The best results achieved patients with a primer stable and correct located anchoring, therefore we recommend two anchors placed under radiological control. Regarding the score results, fixation of the distal biceps tendon is a demanding procedure, that should be performed by experienced surgeon.

Literatur

Dr. O. Weber

Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universität Bonn

Sigmund-Freud-Str 23

53127 Bonn

Email: Oliver.Weber@ukb.uni-bonn.de

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