Dtsch Med Wochenschr 2011; 136(1/02): 29-33
DOI: 10.1055/s-0030-1269437
Aktuelle Diagnostik & Therapie | Review article
Allgemeinmedizin, Intensivmedizin, Nephrologie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hypo- und Hypernatriämie

Hypo- and hypernatremiaC. Palm1 , A. Wagner1 , P. Gross1
  • 1Abteilung für Nephrologie, Universitätsklinikum „Carl Gustav Carus” Dresden
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Publication History

eingereicht: 25.8.2010

akzeptiert: 18.11.2010

Publication Date:
21 December 2010 (online)

Zusammenfassung

Die Hyponatriämie ist eine häufige Elektrolytstörung und wird diagnostiziert, wenn die Serum-Natriumkonzentration unter 135 mmol/l absinkt. Die Symptomatik bei Hyponatriämie wird vom Ausmaß der Hyponatriämie und der Geschwindigkeit, mit der sich die Elektrolytstörung entwickelt, bestimmt [schneller Eintritt der Störung (< 48 h Dauer)→ ausgeprägte Symptome, langsamer Eintritt der Störung (> 48 h Dauer) → milde Symptome]. Im Vordergrund stehen zerebrale Symptome, wie: Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, evtl. Grand-Mal-Anfälle und Koma.

Es wird häufig angenommen, dass die Hyponatriämien Störungen des Körpernatriums sind. Das trifft im Allgemeinen nicht zu, mit Ausnahme der hypovolämen Hyponatriämie. Vielmehr gilt aber für alle Hyponatriämien, dass sie Osmolalitätsstörungen mit Wasserüberschuss sind. Dies führt zu einem Verdünnungseffekt sämtlicher Körperflüssigkeiten, messbar in Form der Hyponatriämie.

Die pathogenetischen Ursachen eines Wasserüberschusses bestehen in einer stimulierten ADH-Sekretion und gleichzeitig in Durst bedingter Flüssigkeitsaufnahme, welche osmotisch nicht supprimiert werden können. Hyponatriämie kann mit niedriger, normaler und ausnahmsweise hoher Plasmaosmolalität einhergehen, wobei die vorgenannte Pathogenese auf die klinisch relevante hypoosmoläre Hyponatriämie zutrifft. Letztere kommt vor bei: Leberzirrhose und Herzinsuffizienz [„hypervoläme” Hyponatriämie wegen der Ödeme], Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIAD) [„euvoläme” Hyponatriämie] und bei Plasmavolumenmangel [„hypovoläme” Hyponatriämie, z. B. nach Diarrhö oder Erbrechen].

Eine Behandlung der hypervolämen Hyponatriämie kann z. Zt. nur durch Flüssigkeitsrestriktion erfolgen. Die Hyponatriämie bei Hypovolämie wird durch Ausgleich des Volumenmangels mit einer isotonen Kochsalzlösung korrigiert. Die schwere symptomatische euvoläme Hyponatriämie (z. B.Krampfanfall) soll mit 3 %iger NaCl-Lösung behandelt werden. Bei euvolämer Hyponatriämie und moderaten Symptomen werden in der Literatur empfohlen: Flüssigkeitsbeschränkung, Harnstoffgabe, Demeclocyclin oder Lithiumkarbonat. Diese Maßnahmen sind unspezifisch und erweisen sich in der klinischen Praxis nur als mäßig erfolgreich.

Mit der Zulassung einer neuen Substanzklasse – den Vaptanen (Tolvaptan, Conivaptan)-oralen bzw. parenteral verfügbaren Vasopressinantagonisten steht erstmals eine spezifische Therapie der euvolämen Hyponatriämie zur Verfügung. Studien und erste Alltagserfahrungen mit Vaptanen sind durchaus positiv – sofern die Therapie vorsichtig eingeleitet wird und anfängliche Therapiekontrollen beachtet werden. Vaptane verkürzen die Behandlungsdauer einer Hyponatriämie. Außerdem kann unter Vaptanen die Flüssigkeitsrestriktion aufgehoben werden. Vaptane sind auch bei Serum-Natrium < 120 mmol/l hervorragend wirksam und einsetzbar.

Die Hypernatriämie ist seltener im klinischen Alltag zu beobachten und tritt vor allem bei alten, verwirrten oder komatösen Patienten mit einer reduzierten oder fehlenden Durstempfindung auf. Die langsame Rehydrierung steht hier therapeutisch im Vordergrund.

Abstract

Hyponatremia is an electrolyte disorder that is defined by a serum sodium concentration of less than 135 mmol/L. Hyponatremia occurs at a high incidence. It is commonly associated with mild to moderate mental impairment. Hypoosmolar hyponatremia occurs in the setting of plasma volume deficiency („hypovolemia”, e. g. after gastrointestinal fluid loss), liver cirrhosis and cardiac failure („hypervolemic” hyponatremia) and syndrome of inappropriate antidiuretic hormone secretion („euvolemic” hyponatremia). Excessive antidiuretic hormone and continued fluid intake are the pathogenetic causes of these hyponatremias. Whereas hypovolemic hyponatremia is best corrected by isotonic saline, conventional proposals for euvolemic and hypervolemic hyponatremia consist of the following: fluid restriction, lithium carbonate, demeclocycline, urea and loop diuretic. None of these nonspecific treatments is entirely satisfactory. Recently a new class of pharmacological agents – orally available vasopressin antagonists, collectively called vaptans – have been described. A number of clinical trials using vaptans have been performed already. They showed vaptans to be effective, specific and safe in the treatment of euvolemic and hypervolemic hyponatremia. In Europe the vaptanes are currently certified exclusively for the treatment of euvolemic hyponatremia.

Hypernatremia is caused by a relative deficit of free water and often occurs in elderly patients, who have an impaired thirst mechanism or are unable to ask for water. The cornerstone of treatment is administration of free water to correct the relative water deficit.

Literatur

Dr. med. Catrin Palm

Medizinische Klinik III Nephrologie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Fetscherstr. 74

01307 Dresden

Email: catrin.palm@uniklinikum-dresden.de