Rehabilitation (Stuttg) 2012; 51(3): 181-188
DOI: 10.1055/s-0031-1273708
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ambulante berufliche Rehabilitation psychisch erkrankter Menschen

Ambulant Vocational Rehabilitation of Persons with Mental IllnessH.-C. Eichert
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
06. Juni 2011 (online)

Zusammenfassung

Untersucht wurde die Teilnehmerstruktur und der Erfolg einer ambulanten beruflichen Rehabilitationsmaßnahme für Menschen mit psychischer Erkrankung (Integrationsseminar) (1994–2009, n=703), die einem individualisierten Rehabilitationskonzept folgt. Die Ergebnisse zeigen, dass das Durchschnittsalter und der Anteil der Teilnehmer mit psychotischen Erkrankungen im Laufe der Jahre angestiegen sind. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen war insgesamt sehr hoch und ist im Zeitraum 2002–2005 stark angestiegen. Je nach Abschlussjahr schwankt der Anteil erfolgreicher Teilnehmer zwischen 50% und 60%. Der Rehabilitationserfolg hat sich als relativ stabil erwiesen (rs=0,52–0,83) und steht mit Belastbarkeit, Alter und Dauer der Arbeitslosigkeit in Zusammenhang. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit frühzeitiger Hilfen zur Teilhabe am Arbeitsleben, denn mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit vor Beginn einer Rehabilitation nimmt die Wahrscheinlichkeit ihres Erfolgs ab. Insgesamt erweist sich das Konzept individueller ambulanter beruflicher Rehabilitation als sehr erfolgreich.

Abstract

The composition of participants and the success of rehabilitation of an ambulant vocational rehabilitation programme for persons with mental illness was examined (Integration Seminar; 1994–2009; n=703). The programme applies an individualized concept of rehabilitation. The findings show that average age and share of participants with psychotic illness had increased over the years. The share of long-term unemployed persons in all was very high and had increased strongly in the 2002–2005 period. Depending on the year of programme completion, the share of successful participants ranged between 50% and 60% a year. The success of rehabilitation turned out relatively stable over all measurement times (rs=0.52–0.83) and correlates with resilience, age and duration of unemployment. This implies the necessity of an early beginning of vocational rehabilitation, as the probability of success decreases with increasing duration of prior unemployment. Overall, the concept of individualized ambulant vocational rehabilitation turns out very successful.

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1 Hintergrund dieser Verschiebung ist die zeitweise Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit, nur noch ausgeschriebene Lehrgänge bzw. institutionelle Maßnahmen (Berufsförderungswerk, Berufliches Trainingszentrum usw.) zu fördern.

2 Bei den Diagnosen wurde zwischen schizophrener Psychose, affektiver Psychose, neurotischen Störungen und sonstigen Störungen differenziert. Da die heute übliche Klassifizierung nach ICD in den neunziger Jahren noch keinesfalls durchgängig angewandt wurde, ist so die Vergleichbarkeit der Daten zwischen 1994 und 2009 besser gewährleistet. Schizophrene Psychose ist dabei dem Abschnitt F2 ICD-10, affektive Psychose dem Abschnitt F3, neurotische Störung dem Abschnitt F4 zuzuordnen. Eine ähnliche Klassifizierung nehmen im übrigen auch Burns et al. [9] vor.

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