Akt Neurol 2011; 38(06): 298-302
DOI: 10.1055/s-0031-1286258
Übersicht
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die operative Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms

Operative Treatment of Cubital Tunnel Syndrome
L Füllbier
1  Klinik für Neurochirurgie, Katharinenhospital, Klinikum Stuttgart
,
B. Renz
1  Klinik für Neurochirurgie, Katharinenhospital, Klinikum Stuttgart
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Publication History

Publication Date:
14 September 2011 (eFirst)

Zusammenfassung

Das Kubitaltunnelsyndrom ist Folge einer mechanischen Druckschädigung des Nervus ulnaris im Bereich des Ellenbogens, der eine statische oder dynamische Kompression durch anatomische Strukturen zugrundeliegt. Typische Symptome sind eine Gefühlsstörung des Kleinfingers und der Außenseite des Ringfingers, Schmerzen im Ellenbogen sowie in fortgeschrittenen Fällen eine Schwäche und Atrophie der intrinsischen Handmuskeln. Die Inzidenz wird mit 24,7 Fällen pro 100 000 Personenjahre beziffert, Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen. Die Diagnose wird nach klinischen Kriterien gestellt, gestützt durch neurografische und elektromyografische Messungen. Die Neurosonografie und MRT-Bildgebung haben sich in ausgewählten Fällen als nützlich erwiesen. Nach aktueller Datenlage kann bei nachgewiesenem Kubitaltunnelsyndrom weder aufgrund klinischer, neurophysiologischer noch bildgebender Befunde hinreichend darüber entschieden werden, welcher Patient konservativ oder operativ behandelt werden sollte. Der Nutzen einer rein konservativen Therapie konnte bei Patienten mit milder Symptomatik in einer einzelnen randomisierten kontrollierten Studie nachgewiesen werden, hier zeigte sich, dass eine Aufklärung über die Vermeidung beschwerdeverstärkender Bewegungen zu einer längerfristigen Symptomlinderung führte. Eine operative Therapie wird dann erforderlich, wenn eine Besserung der Symptome unter konservativer Therapie ausbleibt oder eine fortschreitende Klinik mit sensomotorischem Defizit vorliegt. Die Wahl des operativen Verfahrens ist Inhalt mehrerer randomisierter kontrollierter Studien, hier zeigen sich die einfache (in situ) Dekompression und die Dekompression mit Transposition als gleichwertig hinsichtlich der Effektivität der Beseitigung der klinischen Symptomatik, auch in Fällen einer schweren Nervenschädigung. Weitere klinische Studien sind erforderlich um klare Kriterien zu erarbeiten, nach denen Patienten mit nachgewiesenem Kubitaltunnelsyndrom einer konservativen oder operativen Therapie zugeführt werden sollten.

Abstract

The cubital tunnel syndrome results from static or dynamic entrapment of the ulnar nerve in its natural course on the medial side of the elbow joint. Clinical findings include paraesthesia and tingling in the lateral 2 fingers, pain related to the elbow joint, and in severe cases, weakness or atrophy of the intrinsic muscles of the hand. The incidence is 24.7 cases per 100 000 person-years, men are affected twice as often as women. The diagnosis is made on the basis of clinical criteria as well as neurographic and electromyographic findings. Neurosonography and MRI imaging are useful in selected cases. In the light of current data we cannot sufficiently decide when to treat a patient conservatively or surgically for idiopathic cubital tunnel syndrome on the basis of clinical, neurophysiological and imaging characteristics. There is good evidence for a benefit of conservative treatment in mild cases, one single randomised controlled trial showed that sufficient information on movements to avoid alleviated discomfort for longer periods. However, operative treatment becomes necessary in patients with progressive sensomotor deficit or in the absence of improvement under conservative treatment. On the basis of several randomised controlled trials, simple decompression and decompression with transposition are shown to be equally effective in terms of amelioration of clinical symptoms, even when the nerve impairment is severe. There is a need for further trials to determine distinct criteria for the decision to treat patients with confirmed cubital tunnel syndrome conservatively or surgically.