Akt Neurol 2013; 40(04): 185-194
DOI: 10.1055/s-0033-1337972
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ergebnisse der 10. Erhebung zur Struktur der neurologischen Kliniken der Akutversorgung in Deutschland

Results of the 10th Survey of the Neurological Department Structure in Germany
M. Schroeter
1  Klinik und Poliklinik für Neurologie, Uniklinik Köln
,
A. Engelhardt
2  Neurologische Klinik, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg
,
F. J. Erbguth
3  Klinik für Neurologie, Klinikum Nürnberg
,
A. Ferbert
4  Neurologische Klinik, Klinikum Kassel
,
F.-M. Reinhardt
5  Neurologische Klinik, Klinikum am Europakanal, Erlangen
,
P. Vieregge
6  Neurologische Klinik, Klinikum Lippe-Lemgo
,
C.-W. Wallesch
7  BDH-Klinik Elzach
,
B. Widder
8  Klinik für Neurologie und Neurologische Rehabilitation, BKH Günzburg
,
G. R. Fink
1  Klinik und Poliklinik für Neurologie, Uniklinik Köln
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Publication History

Publication Date:
11 April 2013 (eFirst)

Zusammenfassung

Die Kommission 1.14 „Qualitätssicherung/Anhaltszahlen“ der DGN hat nach 2009 erneut eine Erhebung zur Struktur neurologischer Kliniken durchgeführt. Die hier berichtete Erhebung fand 2012 statt mit Bezug auf das Jahr 2011 bzw. den Stichtag 31.12.2011. Trotz einer vorbereitenden Umfrage, Verschlankung der Umfrage und Ergänzung des Fragebogens um eine ausführliche Legende und mehrfacher postalischer und elektronischer Aussendung erhielten wir im Zeitraum April–Oktober 2012 179 Antworten von 307 Kliniken (58%). Mit wenigen Ausnahmen halten neurologische Kliniken Schlaganfalle­in­heiten vor. Während ein Großteil der Kliniken an der Notfallversorgung teilnehmen, verfügten nur noch ca. die Hälfte der Kliniken über eigene Intensivbetten, die in 2 von 3 Kliniken unter nicht-neurologischer Leitung stehen. Es gibt erhebliche Defizite in der „rund um die Uhr“-Verfügbarkeit diagnostischer Infrastruktur, z. B. von MRT und Angiografie. Die Leistungszahlen belegen im Vergleich zur Vorerhebung eine weitere Zunahme der Fallzahl bei abnehmender Verweildauer und tendenziell abnehmendem durchschnittlichen Fallerlös. Die Angaben zur Personalstärke waren durch heterogene Klinikstrukturen schwer vergleichbar. Die Abgrenzung des Personaleinsatzes im DRG-Bereich von ambulanten Strukturen, Lehre und Forschung gelang vielen Kliniken nicht. Personalmangel war ein Problem einiger Kliniken mit regionaler Häufung. Immerhin setzten 25% der Kliniken Honorarärzte ein und jede dritte Klinik musste 2011 wegen Personalengpässen ihre Versorgung einschränken – gleich häufig wegen Ärzte- oder Pflegenotstand. Während die Mehrzahl der Kliniken sich einem oder mehreren Zertifizierungsprozessen unterworfen haben, war nur ca. die Hälfte der Chefärzte davon überzeugt, dass dieses die Versorgungsqualität ihrer Patienten günstig beeinflusse. Nur jede 6. Klinik evaluierte Zertifzierungseffekte – Ergebnisse, die an der Legitimation von Zertifizierungen zweifeln lassen, wenn deren Effekte auf die Versorgungsqualität unbekannt bleiben.

Abstract

The German Neurological Society conducts a biannual survey to assess the structure of neurological inpatient care. The present survey covering the year 2011 addressed 307 hospital departments. Although several measures were taken to enhance response rates, only 179/307 departments (58%) responded. With few exceptions, neurological departments have stroke units. Even though the majority of neurological departments actively participate in emergency room services, only very few operate their own intensive care unit. Also, many neurological departments do not have around-the-clock access to diagnostic facilities such as MRI and angiography. As compared to the preceding survey in 2009, performance benchmarks indicated a rise in patient numbers, decrease in length of stay, and decreasing average case proceeds. Allocation of personnel was difficult to compare between participating departments, but staff shortage was a common problem, with regional differences. 1 out of 3 departments was forced to reduce services due to a shortage of physicians, nurses, or both. Neurological departments can obtain a multitude of certifications, but only half of the head physicians felt that these helped to improve the quality of patient care. Moreover, only 15% evaluated the effects of certification processes. Consequently, this lack of affirmation challenges the present concept of certifying neurological ­inpatient facilities.