Rehabilitation (Stuttg) 2014; 53(01): 38-42
DOI: 10.1055/s-0033-1345192
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zugangsvariablen als Prädiktoren für das Therapieergebnis bei Alkohollangzeitentwöhnungsmaßnahmen

Predictors of Success of Long-Term Treatment in Alcohol Dependency
E. Grau
1  Rehabilitationsklinik für Suchterkrankungen, Diakonie-Krankenhaus Harz, Elbingerode
,
D. Kemmann
1  Rehabilitationsklinik für Suchterkrankungen, Diakonie-Krankenhaus Harz, Elbingerode
,
P. Brieger
2  Bezirkskrankenhaus Kempten, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm
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Publication History

Publication Date:
11 November 2013 (online)

Zusammenfassung

Ziel:

Die Kenntnis der Prädiktoren für die Erfolgschancen einer Langzeitentwöhnungsmaßnahme ist begrenzt. Die vorliegende Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Motivationslage von Betroffenen sowie äußeren Zugangsvariablen und dem Therapieoutcome.

Methode:

434 alkoholabhängigen Personen, die im Jahr 2004 im Diakonie-Krankenhaus Harz (DKH), Elbingerode, eine Langzeitentwöhnungsmaßnahme durchgeführt hatten, wurden im Rahmen der 1-Jahres-Katamnese nachuntersucht. Zugangsvariablen wurden definiert und mittels multipler linearer und multipler logistischer Regression auf Zusammenhänge mit Outcomevariablen überprüft.

Ergebnisse:

Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Zugangsweg und Abstinenzrate. Zwischen der Motivationslage zu Therapiebeginn und den definierten Outcomevariablen konnte ein Zusammenhang gefunden werden: Die Gruppe der ambivalent motivierten Patienten wies das schlechteste Ergebnis auf. Die in der Rehabilitationsforschung formulierten Dimensionen zur Fallgruppenbildung besaßen nur begrenzt prädiktive Kraft für das Therapieergebnis bei der Alkohollangzeitentwöhnungsmaßnahme.

Schussfolgerung:

Die Therapiemotivation stellte den Hauptprädiktor für das therapeutische Outcome einer Langzeitentwöhnungsmaßnahme dar. Bei der Qualitätsverbesserung der Behandlungsketten sollten also vor allem die Bereiche gefördert werden, in denen die Therapiemotivation von Betroffenen gestärkt wird.

Abstract

Objective:

There is a lack of positive predictors for long-term treatment of subjects with alcohol addiction. We analyzed the relation between motivation and other external variables of access to treatment as well as treatment outcome.

Method:

434 persons with alcohol addiction, treated in 2004 in the Diakonie-Krankenhaus Harz (DHK), Elbingerode, as part of a long-term therapy, were followed-up one year after treatment. Access variables were defined and examined in relation to outcome variables with multiple linear and logistic regressions.

Result:

Ways of accessing treatment had no effect on later treatment outcome, while motiva­tion at the start of therapy was relevant: Patients with ambivalent motivation had the most negative outcome.

Conclusion:

Therapy motivation was the main predictor for the outcome of a long-term anti-addiction treatment. To improve the quality of the treatment system, interventions to strengthen motivation should be promoted.