Zentralbl Chir
DOI: 10.1055/s-0033-1350893
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Disstress in der Chirurgie – Eine Untersuchung in deutschen Krankenhäusern

Distress Among Surgeons – a Study in German HospitalsJ. Bauer, D. A. Groneberg
  • Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Goethe-Universität Frankfurt, Frankfurt am Main, Deutschland
Further Information

Publication History

Publication Date:
07 January 2014 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund: Stress am Arbeitsplatz mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit (Disstress) ist gerade im Fachgebiet der Chirurgie weit verbreitet. Deswegen spielen die subjektiv wahrgenommenen Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte in der Chirurgie eine erhebliche Rolle für die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Patienten. Wie die Arbeitsbedingungen im Fachgebiet der Chirurgie konkret wahrgenommen werden, soll durch die vorliegende Studie geklärt werden. Material und Methoden: Diese webbasierte Studie, an der 1142 Ärzte und Ärztinnen der Chirurgie teilnahmen, stützt sich methodisch auf das Effort-Reward-Imbalance (ERI) Modell von Siegrist und das Job-Demand-Control Modell von Karasek. Der für diese Studie auf Basis der beiden Modelle konzipierte Fragebogen besteht aus Items zweier validierter und etablierter Fragebögen. Dadurch lässt sich eine Aussage über die Berufszufriedenheit und Disstress-Prävalenz im Fachgebiet der Chirurgie treffen. Ergebnisse: In dieser Studie gaben 58,2 % (95 %-KI: 55,6–61,5) der Befragten ungünstige Arbeitsbedingungen in Form von Disstress (ER/JDC-Ratio > 1) an. Gleichzeitig war mit 52,2 % (95 %-KI: 49,3–55,1) ungefähr die Hälfte der Befragten sehr zufrieden mit ihrem Beruf. Bei Ärztinnen lag die Disstress-Prävalenz um 6 Prozentpunkte höher (95 %-KI: 0,1–12,0) bei 62,4 % und war damit signifikant höher als bei Ärzten (OR: 1,29; 95 %-KI: 1,01–1,65; p < 0,05). In Betrachtung der in dieser Studie untersuchten 4 funktionalen Stellungen im Krankenhaus wiesen Chefärzte/-ärztinnen mit 22,0 % die niedrigste Disstress-Prävalenz auf. Die höchste Disstress-Prävalenz wiesen Fachärzte mit 66,7 % auf (OR: 7,11; 95 %-KI: 3,26–15,48; p < 0,001). Weiterhin gaben 43,4 % der befragten Fachärzte/-ärztinnen an, sehr zufrieden mit ihrem Beruf zu sein. Bei Oberärzten/-ärztinnen gaben dies 61,5 % an (OR: 2,08; 95 %-KI: 1,52–2,84; p < 0,001). Schlussfolgerungen: Die dargestellten Daten unterstreichen ein hohes Stresspotenzial des Fachgebiets der Chirurgie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen. Im Hinblick auf das Potenzial und Personal, welches durch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Fachgebiet der Chirurgie in den Kliniken gehalten werden könnte, sollte auf ein Gleichgewicht entsprechend des ERI/JDC-Modells geachtet werden.

Abstract

Background: Stress with negative influence on health (distress) is highly prevalent among surgeons. Especially the physiciansʼ own perception of working conditions plays an important role in an evaluation of the stress potential of working conditions. Thus, this study is intended to examine and evaluate the working conditions of surgeons in German hospitals. Material and Methods: This web-based study is methodically based on the theoretical stress models of Siegrist (Effort-Reward-Imbalance Model) and Karasek (Job-Demand-Control Model). The questionnaire designed for this survey consists of items from two validated questionnaires. Thus it is possible to draw a conclusion about the job satisfaction and distress prevalence among surgeons concerning working conditions in German hospitals. Results: In this study 58.2 % (95 % CI: 55.6–61.5) of respondents showed unfavourable working conditions (ER/JDC ratio > 1). Meanwhile 52.2 % (95 % CI: 49.3–55.1) were satisfied with their job. The distress prevalence among female surgeons was six percent points higher (95 % CI: 0.1–12.0) at 62.4 % with an odds ratio compared to male surgeons of 1.29 (95 % CI: 1.01–1.65; p < 0.05). Chief residents, in comparison to functional positions, showed with 22.0 % the lowest distress prevalence of all positions. The highest prevalence was shown by fellows with 66.7 % (OR: 7.11; 95 % CI: 3.26–15.48; p < 0.001). Furthermore 43.4 % of fellows said that they were very satisfied with their job. Among attendings 61.5 % stated this (OR: 2.08; 95 % CI: 1.52–2.84; p < 0.001). Conclusions: The outlined data emphasise a high stress-potential among surgeons in hospitals concerning working conditions. According to the ERI/JDC model emphasis should be put on the balance between effort and reward or, respectively, job demands and control.