Rehabilitation (Stuttg) 2014; 53(04): 224-229
DOI: 10.1055/s-0033-1357117
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Physio- und ergotherapeutische Versorgungsverläufe und Mortalität im ersten Jahr nach Schlaganfall

Physio- and Occupational Therapy Pathways of Stroke Patients and Stroke Mortality
D. Peschke
1  Graduiertenkolleg „Multimorbidität im Alter“ an der Charité-Universitätsmedizin Berlin und FG Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen an der Technischen Universität Berlin
,
S. Schnitzer
2  Institut für Medizinische Soziologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin
,
A. Kuhlmey
2  Institut für Medizinische Soziologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin
,
L. Schenk
2  Institut für Medizinische Soziologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin
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Publication History

Publication Date:
07 January 2014 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Es wird der Zusammenhang zwischen leitliniengerechter therapeutischer Versorgung und der Überlebenszeit im ersten Jahr nach einem Schlaganfall untersucht.

Methodik: Die Studie umfasst alle kontinuierlich versicherten Mitglieder der Deutschen BKK, die 2007 wegen eines Schlaganfalls akutstationär behandelt wurden, den initialen Krankenhausaufenthalt um mindestens 14 Tage überlebt haben und motorische Defizite am Ende der Akutbehandlung aufwiesen (n=1 791). Es werden 3 Versorgungstypen klassifiziert, die sich im Grad der Leitlinienadhärenz unterscheiden: „Früh­reha-Plus“ (größte Übereinstimmungen mit Leitlinienempfehlungen), gefolgt von „Standard-Plus“ (keine Frührehabilitation, aber weitere therapeutische Versorgung nach dem Akutaufenthalt) und „Nur Akut“ (größte Abweichungen von den Empfehlungen).

Ergebnisse: Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Leitlinienadhärenz der therapeutischen Versorgung und der Überlebenszeit, auch unter Kontrolle relevanter Störgrößen. Im Vergleich zum Versorgungstyp „Nur Akut“ ist das Sterberisiko für Patienten des Versorgungstypus „Standard-Plus“ signifikant geringer (HR: 0,65; KI: 0,49–0,86). Am niedrigsten ist das Risiko, im Beobachtungszeitraum nach einem Schlaganfall zu versterben, für Patienten, die nach dem Versorgungstyp „Frühreha-Plus“ behandelt werden (HR: 0,49; KI: 0,36–0,68).

Schlussfolgerungen: Eine physio- und ergotherapeutische Versorgung, die eine Frührehabilitation und eine Anschlussrehabilitation und/oder ambulante Physio- oder Ergotherapie umfasst, ist positiv mit der Überlebenszeit im ersten Jahr nach einem Schlaganfall assoziiert. Die therapeutischen Versorgungsprozesse sollten deshalb sektorenübergreifend und entsprechend den Leitlinienempfehlungen organisiert werden.

Abstract

Aims: This study examines the relationship between adherence to clinical guidelines and survival time in the first year after stroke.

Methods: The sample comprises all clients of the Deutsche BKK, a large German health insurance company, who received acute inpatient care for stroke in 2007, who survived the hospital stay by at least 14 days, and who had motor deficits at the end of their acute treatment (n=1 791). 3 types of treatment that differ in the degree of adherence to clinical guidelines are identified (“Frühreha-Plus”>“Standard-Plus”>“Nur Akut”).

Results: There is a positive relationship between adherence to clinical guidelines and survival time, even when relevant covariates are controlled. The hazard-ratios are 0.49 for “Frühreha-Plus” and 0.65 for “Standard-Plus” compared to “Nur Akut”.

Conclusions: Healthcare processes should be organized on the basis of cross-sector collaboration and in line with the recommendations of the guidelines.

Ergänzendes Material