Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2014; 49(4): 246-254
DOI: 10.1055/s-0034-1373804
Fachwissen
Intensivmedizin Topthema:
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Patient Blood Management – Der präoperative Patient

Patient Blood Management – The preoperative patient
Markus M Müller
,
Dania Fischer
,
Ulrich Stock
,
Christof Geisen
,
Björn Steffen
,
Judith Nussbaumer
,
Patrick Meybohm
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Publication History

Publication Date:
02 May 2014 (online)

Zusammenfassung

Die präoperative Anämie ist ein unabhängiger Risikofaktor für eine erhöhte perioperative Morbidität und Mortalität. Im Rahmen des Patient Blood Managements (PBM) sollen Patienten mit Anämie zum frühestmöglichen Zeitpunkt vor elektiven Eingriffen erfasst, die Ursachen der Anämie abgeklärt und bei behandelbaren Ursachen der Anämie eine spezifische Behandlung eingeleitet werden. Dabei muss ein multidisziplinäres Team mittels spezifischer Anamnese und körperlicher, Labor- sowie apparativer Untersuchung häufige und behandelbare Anämieursachen wie Eisenmangel, Blutungen oder (Autoimmun-)Hämolysen erkennen und präoperativ soweit wie möglich beheben bzw. therapieren. Das gelingt nur, wenn präoperativ Anästhesisten, Chirurgen, Hämatologen, Gastroenterologen, Gynäkologen, Labor- und Transfusionsmediziner in einem PBM-Team mit einem gemeinsamen PBM-Plan zusammenarbeiten und die Kommunikation untereinander und mit den zuweisenden Kollegen reibungslos funktioniert.

Abstract

Preoperative anaemia is an independent risk factor for an increase in perioperative morbidity and mortality. Patient Blood Management (PBM) aims for an early detection of anaemia in elective surgery patients. Reasons for anaemia should be detected and causally treated if possible. A multidisciplinary team of specialists aims for diagnosis and causative treatment of easily treatable and frequent causes of anaemia like iron deficiency, bleeding or (autoimmune) haemolysis using patients' specific history, examination, laboratory and technical methods. Such an outpatient PBM programme is only feasible, if anaesthesiologists, surgeons, haematologists, gastroenterologists, gynecologists, laboratory and transfusion medicine specialists work together in a PBM team using a common PBM plan. Communication within this team as well as with the patients' physicians in their private offices is key for a long lasting success of such a PBM programme.

Kernaussagen

  • Eine präoperative Anämie erhöht die perioperative Morbidität und Mortalität.

  • Ein präoperatives Patient Blood Management (PBM) strebt an, die perioperative Patientensicherheit durch Diagnostik und Therapie der präoperativen Anämie zu erhöhen.

  • Dies gelingt nur durch klar strukturierte Abläufe und Verantwortlichkeiten, ein PBM-Team und einen breit eingeführten PBM-Plan.

  • Eine enge Kooperation zwischen niedergelassenen Zuweisern und Klinik ermöglicht im Bedarfsfall auch die Verschiebung eines elektiven OP-Termins.

  • Anamnese, körperliche, Labor- und ggf. apparative Untersuchungen müssen darauf abzielen, eine Anämie zu erkennen, Ursachen aufzudecken und Therapiewege aufzuzeigen.

  • Bei Vorliegen einer Anämie erfolgt die Abklärung anhand eines festgelegten präoperativen Algorithmus.

  • Ein guter Informationsfluss innerhalb der Klinik und mit den Zuweisern sowie die Klärung von Abrechnung und Finanzierung im Vorfeld erleichtern ein PBM-Programm.

  • Ein wissenschaftliches Begleitprogramm mit Auswertung der Sicherheitsdaten der Patienten erlaubt die Einordnung des PBM-Programms in die Qualitätssicherung der Klinik.

  • Schulungen und Informationsveranstaltungen sowie der Kontakt zu anderen nationalen und internationalen PBM-Projekten dienen der Feinabstimmung des Programms.

Ergänzendes Material