Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2014; 49(6): 406-413
DOI: 10.1055/s-0034-1383894
Fachwissen
Anästhesiologie & Intensivmedizin Topthema
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Ischämischer Insult – Anästhesiologisches und intensivmedizinisches Management

Management of anaesthesia and intensive care for acute ischemic insult
Doreen Wiedemann
,
Christof Strang
,
Uwe Ebmeyer
,
Thomas Hachenberg
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Publication History

Publication Date:
08 July 2014 (online)

Zusammenfassung

Der akute ischämische Schlaganfall ist eine der häufigsten Erkrankungenin Deutschland. Die Therapie zielt hier auf die schnelle Wiedereröffnung der verschlossenen Hirngefäße. Anästhesisten werden immer häufiger in die Behandlung von Patienten mit ischämischem Insult eingebunden. Der Artikel erläutert die Vor- und Nachteile einer Allgemeinanästhesie bei der neuroradiologischen Intervention und gibt Empfehlungen für das intensivtherapeutische Management von Blutdruck, Blutzucker und Temperatur.

Abstract

The acute ischemic stroke (AIS) is a major cause of death and disability in Germany. The treatment of patients withAIS focuses on rapid recanalization of close brain vessels. Anaesthesiologists are likely to encounter patients with AIS and must be aware of the anaesthetic considerations for these patients. The advantage and risk of general anaesthesia during a neuroradiology procedure is shown. We make recommendations for blood pressure, blood glucose and temperature management.

Kernaussagen

  • Das Therapieziel beim ischämischen Insult ist die zügige Rekanalisation des Gefäßes.

  • Die Vorinformation des Behandlungszentrums trägt zur Optimierung des Zeitablaufs bei.

  • Nur kooperative Patienten sind für eine Intervention in Lokalanästhesie geeignet.

  • Die Einleitung der Allgemeinanästhesie muss so kurz wie vertretbar gehalten werden.

  • Zur individuellen Narkoseführung hat sich eine total i. v. Anästhesie mit Propofol, Remifentanil und Rocuronium bewährt.

  • Während einer Allgemeinanästhesie sind systolische Blutdruckwerte von 140–180 mmHg anzustreben.

  • Die Blutzuckerwerte sollten intraoperativ überwacht und ab Werten > 180 mg/dl (10 mmol/l) mittels Insulin therapiert werden.

  • Während der Intervention werden die Patienten nicht aktiv gewärmt; eine milde Hypothermie ist erwünscht. Fieber sollte mittels physikalischer Maßnahmen und medikamentös gesenkt werden.

  • Nach der Intervention ist die Beendigung der Allgemeinanästhesie mit Extubation für die neurologische Kontrolle wünschenswert.

  • Die postoperative neurointensivtherapeutische Behandlung des Patienten muss in den Folgetagen gewährleistet sein.

Ergänzendes Material