physioscience 2017; 13(03): 133
DOI: 10.1055/s-0035-1567226
Studienprotokoll
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kommentar zum Studienprotokoll

Contributor(s): H. Luomajoki
  • ZHAW Winterthur, Schweiz
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Publication History

Publication Date:
07 September 2017 (online)

Die Mobilisation der BWS ist eine häufige Anwendung in der Manuellen Therapie. Entsprechende Weiterbildungen und Kurse verweisen immer wieder auf den Effekt dieser Mobilisationen auf das sympathische Nervensystem. Bei der Behandlung einzelner Patienten ist dieser Effekt sehr deutlich: So beginnen sie z. B. zu schwitzen, oder ihre Haut rötet sich.

Wie die Autoren treffend feststellen, ist es umso erstaunlicher, wie wenig diese vermeintlichen Effekte bisher untersucht wurden [1]. Dies unterstreicht die Relevanz und den Stellenwert der geplanten Studie.

Die geplante Methodologie, einschließlich statistischer Analyse und Vorgehensweise der Studie scheinen plausibel. Es macht auch Sinn, das geplante Vorgehen zunächst in einer Pilotstudie zu überprüfen. Jedoch bleiben ein paar kritisch zu beleuchtende Punkte offen:

  • Warum werden nur gesunde Teilnehmer in die Studie eingeschlossen? Von der Rekrutierung her wird es sehr viel einfacher sein, gesunde Probanden für die Studie zu finden und zu gewinnen. Aber in einer Pilotstudie wird das geplante Vorgehen an sich getestet, d. h. auch die Rekrutierung. Warum also nicht schon in der Pilotstudie Patienten rekrutieren wie z. B. in der Arbeit von Sterling et al. [2]? Es wäre nämlich interessant zu untersuchen, ob die Sympathikusreaktionen bei Patienten anders sind als bei gesunden Personen und falls ja, inwiefern sich die Reaktionen unterscheiden.

  • Der Kontrast zwischen den einzelnen „Griffen“ ist sehr gering. Es ist schwer vorstellbar, dass sich diese beiden doch sehr ähnlichen Mobilisationen stark in ihren Effekten unterscheiden werden.

  • Die Idee, die Herzratenvariabilität als zusätzlichen Parameter für eine Sympathikusaktivierung zu messen, ist sehr interessant. Am häufigsten wurde in früheren Studien die Sympathikusaktivierung mithilfe der elektrischen Hautleitfähigkeit gemessen [1].

  • Die Messungen finden nur sehr kurz nach den Interventionen statt, und die Autoren erwarten bereits nach 24 Stunden einen Wash-out-Effekt (d. h. der Effekt ist nicht mehr vorhanden). Hier stellt sich folgende Fragen: Wenn die Effekte erwartungsgemäß so schnell verschwinden, was ist dann der Nutzen für die Patienten? Worin liegt die Relevanz solcher Kurzzeiteffekte?

Die Relevanz des Themas an sich ist gegeben, und wissenschaftliche Untersuchungen in diesem Bereich sind dringend notwendig. Dementsprechend bleibt den Autoren viel Erfolg bei der Durchführung der geplanten Studie zu wünschen.