Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2014; 42(03): 174-179
DOI: 10.1055/s-0038-1623758
Originalartikel
Schattauer GmbH

Bukkale Glukosemessung beim Hund unter Probengewinnung mit Sicherheitslanzetten

Buccal glucose measurements in dogs using safety lancets for blood sampling
F. K. Zeugswetter
1   Klinik für Kleintiere, Department für Kleintiere und Pferde, Veterinärmedizinische Universität Wien
,
S. Karlovitz
1   Klinik für Kleintiere, Department für Kleintiere und Pferde, Veterinärmedizinische Universität Wien
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Publikationsverlauf

Eingegangen 24. September 2013

Akzeptiert nach Revision: 02. Januar 2014

Publikationsdatum:
06. Januar 2018 (online)

Zusammenfassung

Gegenstand und Ziel: Glukosemessungen an den Ohren oder den Ballen mit Glukometern sind ein fester Bestandteil bei der Betreuung diabetischer Hunde. Da sich selbst nach langem Massieren oder Erwärmen der Punktionsstelle manchmal kein ausreichend großer Blutstropfen gewinnen lässt, sollte die gut durchblutete Lefze als alternative Lokalisation zur Blutprobengewinnung hinsichtlich Praktikabilität, Akzeptanz durch die Hunde und Zuverlässigkeit der Messwerte evaluiert werden. Material und Methoden: Die prospektive Studie wurde an neun klinikeigenen männlich-kastrierten, gesunden Beagles durchgeführt. Die Glukosemessungen erfolgten mit einem Glukometer für Hunde am nüchternen Tier sowie 15 Minuten nach der oralen Eingabe eines kommerziell erhältlichen Glukosesirups für Diabetiker. Zur Gewinnung von Kapillarblut an der Schleimhaut der oberen Lefze und an der Ohrmuschel dienten zwei unterschiedliche kommerziell erhältliche Sicherheitslanzetten (Wellion Safetylancet [23 Gauge] und Wellion Safetylancet special [Klinge 0,8 mm]). Die erhaltenen Messwerte wurden mit den aus venösem Plasma bestimmten Werten (Referenzmethode) verglichen. Ergebnisse: Die bukkalen Messungen ließen sich einfach durchführen und wurden von allen Hunden ohne erkennbare Schmerzreaktionen sehr gut toleriert. Die Übereinstimmung mit den Werten der Referenzmethode war besonders vor der Glukoseapplikation sehr gut (p = 0,793, F < 1) und die orale Glukoseeingabe hatte keinen Einfluss auf die Differenzen (Referenzwert minus Glukometerwert; p = 0,63, F < 1). Bei einem Hund wurde jedoch eine auch klinisch bedeutsame Fehlmessung mit einer Abweichung von 3,6 mmol/l vom Referenzwert beobachtet. Unter Verwendung der Speziallanzette mit Klinge kam es bei zwei Tieren zu einer deutlichen Nachblutung. Schlussfolgerung und klinische Relevanz: Die Schleimhaut der Lefze ist eine gut tolerierte und verlässliche alternative Glukosemessstelle bei Hunden. Nach oraler Glukoseverabreichung können fehlerhafte Messergebnisse auftreten. Die Verwendung der Speziallanzetten mit klingenartiger Nadel ist im Gegensatz zum Ohr an der bukkalen Schleimhaut nicht zu empfehlen.

Summary

Objective: Glucose measurements at the pinna or paws are an important part of the management of diabetic dogs. Despite extensive rubbing or warming of the testing site, an adequate blood sample cannot always be obtained. Therefore, the objective of this study was to evaluate the lip as an alternative sampling site with respect to practicability and tolerance by the dogs and reliability of the measured values. Material and methods: Nine clinic-owned male-castrated healthy beagles were included in this prospective study. Glucose measurements were performed using a glucometer developed for veterinary use, before and 15 minutes after oral application of glucose syrup. Capillary blood was collected using two commercially available safety lancets (Wellion Safety lancet [23 gauge] and Wellion Safety lancet special [blade 0.8 mm]) at the buccal mucosa of the upper lip and at the pinna. Measured values were compared with those obtained from venous plasma (reference method). Results: Buccal glucose measurements were easy to perform and were well tolerated by the dogs without obvious pain reactions. There was no difference between the glucose concentrations from the lip samples and those determined using the reference method (p = 0.793, F < 1). The glucose application had no effect on the observed differences (reference value minus glucometer value; p = 0.63, F < 1). However, in one dog, a clinically problematic discrepancy of 3.6 mmol/l was observed. The special lancet caused noticeable secondary bleeding in two dogs. Conclusion and clinical relevance: The results of this study indicate that the buccal mucosa is a convenient and reliable alternative sampling site for glucose measurements in dogs. Problematic deviations from reference values are possible after oral glucose application and the use of bladelike needles is not encouraged.