CC BY-NC-ND 4.0 · Laryngorhinootologie 2018; 97(S 02): S214
DOI: 10.1055/s-0038-1640454
Abstracts
Otologie: Otology
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Bei sequentieller bilateraler Cochlea-Implantation profitiert das erstoperierte Ohr von der Rehabilitation der zweiten Seite

M Leinung
1  Universitätsklinikum Frankfurt, HNO-Klinik, Frankfurt/M.
,
A Linke
1  Universitätsklinikum Frankfurt, HNO-Klinik, Frankfurt/M.
,
A Loth
1  Universitätsklinikum Frankfurt, HNO-Klinik, Frankfurt/M.
,
M Gröger
1  Universitätsklinikum Frankfurt, HNO-Klinik, Frankfurt/M.
,
T Stöver
1  Universitätsklinikum Frankfurt, HNO-Klinik, Frankfurt/M.
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Publication History

Publication Date:
18 April 2018 (online)

 

Die Versorgung älterer Patienten mit einem Cochlea-Implantat (CI) ist bei adäquater Indikationsstellung risikoarm. Auch wenn die Leistung im Hör- und Sprachverständnis mit zunehmendem Alter nachlässt, profitieren die Betroffenen von dieser Maßnahme signifikant. Es ist noch unklar, ob die etablierten rehabilitativen Nachbetreuungskonzepte den Bedürfnissen dieser Patientengruppe ausreichend gerecht werden. Es soll daher geprüft werden, wie sich eine zweite Rehabilitationsmaßnahme auf die Hörleistung auswirkt.

Dazu wurden aus der Implantatdatenbank alle erwachsenen, sequentiell bilateral implantierten Patienten herausgefiltert, deren zweite Seite mindestens zwei Jahren später versorgt wurde. Revisionen wurden ausgeschlossen. Es wurde die beste Hörleistung des erstversorgten Ohres direkt vor und innerhalb von 2 Jahren nach der Implantation der Gegenseite verglichen.

Es konnten 205 Patienten eingeschlossen werden. Das Einsilberverstehen in Ruhe bei 65 dB Sprachpegel lag vor der Rehabilitation bei 59,7 ± 26,1% (Mittelwert ± Standardabweichung). Nach der Rehabilitation verbesserte sich dieser Wert auf 70,9 ± 25,2%. Dieser Zugewinn um durchschnittlich 11,2% ist signifikant bei p < 0,01 (Wilcoxon-Rangsummentest). Regressionsanalysen zeigten weder eine Abhängigkeit vom Alter der Patienten zum Zeitpunkt der zweiten Operation noch von der Dauer zwischen beiden Eingriffen.

Bei der zweiten Rehabilitationsmaßnahme sequentiell bilateral implantierter CI-Patienten steht die Optimierung der zweiten Seite im Vordergrund. Dennoch profitiert auch das erste Ohr signifikant von dieser Maßnahme. Als Grund können verschiedene Mechanismen diskutiert werden. Letztendlich zeigt die Auswertung aber, welches Potential eine wiederholte Rehabilitation auf das Sprachverständnis haben kann.