Notarzt 2016; 32(01): 40-45
DOI: 10.1055/s-0042-100609
Zusatzweiterbildung Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zerebraler Krampfanfall – Ein Leitfaden zur prähospitalen Diagnosefindung und Therapie

Epileptic seizure – a guidline for prehospital diagnosis and treatmentA. Harth1, B. Winter2, M. Kulla1
  • 1Klinik für Neurologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
  • 2Sektion Sozialpädiatrisches Zentrum und Kinderneurologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm
  • 3Bundeswehrkrankenhaus Ulm, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Luftrettungsstation Christoph 22 Ulm
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Publication Date:
26 February 2016 (online)

Zusammenfassung

Die Diagnose „Krampfanfall“ ist keine Seltenheit im Rahmen der prähospitalen Alarmierung, jedoch ist sie nicht stets korrekt. Unterschiedliche Erkrankungen lassen insbesondere den Laien an einen Krampfanfall denken – die erste Differenzierung ist jedoch Aufgabe des erstversorgenden, professionellen Teams. Unterschiedliche Abläufe lassen oft bereits aus der Anamnese auf die zugrunde liegende Störung schließen. Therapeutische Maßnahmen und differenzialdiagnostische Erwägungen werden hier weiter beleuchtet.

Abstract

The diagnosis „epileptic seizure“ does not occur rarely within the prehospital alarm, although it is not always correct. Different diseases let think of an epileptic seizure, especially for the layman, the first differentiation is the task of the first professional team providing help. Different courses often make it possible to decide upon the anamnesis of the underlying malfunction. Therapeutic measures and differential diagnostic thoughts are lighted here.

Kernaussagen
  • Der generalisierte tonisch klonische Krampfanfall ist bei nicht spontanem Sistieren eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung.

  • Die frühe und effektive Therapie ist für den weiteren Verlauf entscheidend, eine Übertherapie bei beendetem Anfall möglicherweise komplikationsträchtig.

  • Bei fehlender Fremdanamnese kommt dem Notarzt und seiner Dokumentation eine Schlüsselrolle für die Diagnosestellung zu.

  • Die weiterführende Diagnostik ist bei erstmaligem Anfall stets unverzichtbar.

  • Falls eine i. v. Therapie nicht möglich ist, ist die i. m. Gabe von Midazolam eine wohl sichere und wirksame Alternative.

  • Grundsätzlich ist ebenso die Ausstattung des Rettungswagens mit Lorazepam i. v. oder Clonazepam i. v. zu diskutieren.