Zeitschrift für Klassische Homöopathie 2016; 60(02): 72-77
DOI: 10.1055/s-0042-106514
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© Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Dokumentation und Behandlung von venerischen Krankheiten, Pollutionen und Onanie in Hahnemanns frühen Krankenjournalen D2–D7 (1801–1809)

Sabine Brehme
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Publication Date:
17 June 2016 (online)

Zusammenfassung

Samuel Hahnemann war kein Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger. Eine herabwürdigende Wertung von Männern oder Frauen als Personen oder wegen geschlechtsspezifischer Leiden ist nicht erkennbar. Geschlechtskrankheiten wurden aus diagnostischen Gründen von Hahnemann viel häufiger bei Männern behandelt, wobei er Tripper nicht mit Quecksilber behandelte. Eine Syphilisbehandlung ist in seinen ersten Praxisjahren bis 1809 nur indirekt zu erschließen, unverdünntes Quecksilberpulver, Mercurius solubilis, war dabei der Goldstandard.

Anamnestisch und in Bezug auf Arzneimittelgaben wurde von Hahnemann nächtlicher Samenabgang in seinen Krankenjournalen notiert. Pollutionen waren ebenso wie die Menstruation ein Körpersymptom und Indikator für Gesundheit.

In seiner moderaten Ablehnung der Onanie ist Hahnemann ein Kind seiner Zeit.

Summary

Hahnemann was a not moralizer with forbidding habits. There are no disparaging value judgments of his of men or women as persons or of sexually specific sufferings to be noted. Venereal diseases were treated more often in men, depending on diagnostic reasons. He did not treat Gonorrhoea with Mercury. Treatment of Syphilis can only be traced indirectly in his first years of practice up to 1809; undiluted powder of Mercury was his gold standard parameter.

Nightly seminal emissions were noted in his journals in the anamnesis and in relationship to remedy doses. Pollutions as well as menstruation were body symptoms and indicators of health.

His moderate disapproval of onanism shows him to be a child of his time.

Anmerkungen