Notarzt 2016; 32(03): 140-145
DOI: 10.1055/s-0042-108611
Zusatzweiterbildung Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die intraossäre Punktion in der prähospitalen Notfallmedizin

The intraosseous infusion in prehospital emergency medicineM. Helm1, M. Bernhard2
  • 1Klinik für Anästhesiologie & Intensivmedizin – Sektion Notfallmedizin / Bundeswehrkrankenhaus Ulm
  • 2Zentrale Notfallaufnahme / Universitätsklinikum Leipzig
Further Information

Publication History

Publication Date:
16 June 2016 (online)

Zusammenfassung

Die intraossäre Punktion hat sich in der akuten Notfallsituation als schnelle und sichere Alternative zum konventionellen Gefäßzugang etabliert. Die ursprünglich strengen Anwendungsbeschränkungen wurden deutlich erweitert. Der vorliegende Artikel befaßt sich mit Grundlagen, Indikationsstellung sowie Durchführung und möglichen Komplikationen bei der intraossären Punktion.

Abstract

In emergency medicine, the intraosseous access has been established as an alternative to conventional intravenous access. Originally the use of intraosseous access limited to children up to 6 years of age and to adults for cardiopulmonary resuscitation. These limitations had been revised and the indication for intraosseous access has been expanded. This article deals with the principles of this technique, the indication for intraosseous access as well as the conduction and possible complication of this technique.

Kernaussagen
  • Die korrekte klinische Indikation und die medizinische Notwendigkeit einer intraossären Infusion müssen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene in jedem Einzelfall gegeben sein.

  • Aus anatomischen Gründen (v.a. Gefahr einer mediastinalen Perforation) ist bei Neugeborenen und Kindern die sternale intraossäre Punktion obsolet [ 12 ].

  • Nach aktuellem Stand lassen sich praktisch alle für die Behandlung von pädiatrischen und erwachsenen Notfallpatienten eingesetzten intravenösen Medikamente auch intraossär applizieren [ 4 ], [ 5 ], [ 8 ], [ 9 ].

  • Zum Vermeiden von Komplikationen müssen alle Anwender die Indikationen, Durchführung, Kontraindikationen und die Sicherheitsmaßnahmen sorgfältig berücksichtigen.

  • In jedem Fall müssen unter einer intraossären Infusion regelmäßig Kontrollen auf Schwellungen und Zeichen eines Kompartmentsyndroms sowie auf Dislokation der intraossären Kanüle erfolgen.

  • Das Anlegen einer intraossären Infusion muss auch in einer Notfallsituation unter möglichst aseptischen Bedingungen erfolgen und anschließend gehandhabt werden.

  • Zudem sollte man die intraossäre Kanüle so rasch wie möglich nach Etablierung eines peripher- oder zentralvenösen Zugangs wieder entfernen. Vor der Entfernung ist die Einmalgabe eines Antibiotikums über die intraossäre Kanüle zu erwägen.

  • Der intraossäre Zugang ist lediglich ein überbrückendes Verfahren.