Neuroradiologie Scan 2017; 07(01): 45-53
DOI: 10.1055/s-0042-121032
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Magnetresonanztomografie beim akuten ischämischen Schlaganfall

Adrian Ringelstein
,
Michael Forsting
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Publication Date:
07 March 2017 (online)

Die bildgebende Darstellung der hirnversorgenden Gefäße ist in der Akutphase des Schlaganfalls besonders wichtig. Spezielles Augenmerk wird in diesem Beitrag auf die Selektionskraft der MRT-Bildgebung hinsichtlich der Indikationsstellung für eine Thrombektomie oder i. v. Lysetherapie gelegt. Außerdem gibt der Text einen Einblick in zukünftige Entwicklungen bildgebender Verfahren, die das Potenzial haben, die Schlaganfallversorgung zu verändern.

Kernaussagen
  • Der akute ischämische Schlaganfall ist eine der häufigsten lebensbedrohlichen Erkrankungen in Deutschland und die häufigste Ursache für Behinderungen oder Pflegebedürftigkeit im Erwachsenenalter.

  • In den letzten Jahrzehnten hat sich die Schlaganfallversorgung in Deutschland massiv verbessert. Die Einführung der Stroke Units, aber auch die mittlerweile flächendeckend eingesetzten Therapieverfahren haben entscheidend dazu beigetragen. Zu diesen Therapieverfahren zählen die i. v. Lysetherapie, die dekompressive Kraniektomie und die transarterielle Thrombektomie. Alle 4 Bausteine haben nachweislich zu einer signifikanten Reduktion von Mortalität und/oder Morbidität geführt.

  • Neben den Versorgungsstrukturen an sich ist eine schnelle und aussagekräftige Bildgebung Grundlage jeder zeitbewussten Schlaganfalltherapie. Zu den infrage kommenden bildgebenden Verfahren zählen die CT und die MRT.

  • In der Akutphase des Schlaganfalls ist die native CT mit CTA die bildgebende Methode der Wahl. Die MRT dagegen ist in dieser Phase bei unklarer Diagnose hilfreich.

  • Bei Patienten mit Wake-up-Stroke oder unklarem Zeitfenster ist ein DWI/FLAIR-Mismatch ein Zeichen dafür, dass eine rekanalisierende Therapie sicher möglich und erfolgversprechend ist.

  • Jedoch ist bei ⅕ – ⅓ der Patienten keine Diffusionsstörung im MRT festzustellen. Das wirkt sich aber nicht auf das Outcome dieser Patienten aus. Solchen Patienten darf eine rekanalisierende Therapie deshalb nicht verweigert werden.

  • Eine mögliche Alternative stellt möglicherweise die DECTA dar, die mit einer Aufnahme sowohl ein virtuelles natives CT-Bild als auch eine Darstellung des ischämischen Hirnareals liefert. Dazu liegen erste vielversprechende Ergebnisse vor.