Suchttherapie 2018; 19(01): 11-20
DOI: 10.1055/s-0042-121996
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Glücksspielverhalten der österreichischen Bevölkerung und ihre Akzeptanz von Spielerschutzmaßnahmen – Ergebnisse der Repräsentativbefragungen 2009 und 2015

Gambling Behaviour and Acceptance of Protection Measures for Gamblers in the Austrian General Population – Results of the Representative Surveys in 2009 and 2015
Jens Kalke
1  Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), Hamburg
2  Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Hamburg
,
Sven Buth
1  Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), Hamburg
2  Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Hamburg
,
Natasha Thon
,
Frieder Martin Wurst
2  Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Hamburg
3  Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU), Salzburg
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
23 January 2017 (online)

Zusammenfassung

Zielsetzung:

Mit dem vorliegenden Beitrag werden erstmalig für Österreich repräsentative Trends zum Glücksspielverhalten der Bevölkerung (14–65 Jahre) veröffentlicht. Es wurden zu 2 Zeitpunkten die Glücksspielteilnahme und das Ausmaß glücksspielbedingter Probleme sowie die Akzeptanz von Maßnahmen des Spieler- und Jugendschutzes erhoben.

Methodik:

Die Datenerhebung erfolgte in Form von computergestützten telefonischen Interviews (CATI, Festnetz und mobil). Die Fallzahl beträgt für das Jahr 2009 6 300 und für das Jahr 2015 10 000 Personen. Die Basis für die Berechnung der Gewichtungsfaktoren bilden die Variablen Alter, Geschlecht und Schulbildung.

Ergebnisse:

Es ergibt sich ein stabiler Anteil von Personen, die mindestens einmal im Jahr irgendein Glücksspiel um Geld spielen (2009: 42%, 2015: 41%). Bei der monatlichen Spielteilnahme hat eine signifikante Zunahme stattgefunden (von 23 auf 27%). Der Anteil derjenigen, die ein mindestens problematisches Spielverhalten aufweisen, ist mit 1,1% zwischen 2009 und 2015 gleich geblieben. Es zeigt sich in beiden Erhebungen eine hohe Zustimmung der Bevölkerung für einen weitreichenden Spieler- und Jugendschutz.

Diskussion:

Die gleichbleibende Problemspielprävalenz mit 64 000 Betroffenen macht deutlich, dass weiter Handlungsbedarf in Bezug auf die Glücksspielsuchtprävention besteht. Dabei sollte die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für den Spieler- und Jugendschutz genutzt werden, um vor allem den Bereich der verhältnispräventiven Maßnahmen auszubauen.

Abstract

Objectives:

The publication at hand is the first of its kind to describe representative trends in the gambling behaviour of the Austrian population (aged 14–65). Data on the participation in gambling, the severity of gambling-related problems and the acceptance of measures for the protection of gamblers as well as youth and child protection were collected in 2009 and 2015.

Methods:

The data were collected via computer-assisted telephone interviews (CATI, landline and mobile phones). In 2009 6 300 and in 2015 10 000 individuals were interviewed. Weights were calculated according to the variables age, gender and school education.

Results:

The share of persons who participated in any form of gambling at least once a year is stable throughout 2009 (42%) and 2015 (41%). The portion of those who gambled at least once a month has significantly increased (from 23 to 27%). The percentage of individuals who show at least a problematic gambling behaviour amounted to a consistent 1.1% in 2009 and in 2015. Both surveys identified a high acceptance of extensive prevention strategies for gamblers and minors.

Discussion:

The finding of a consistent amount of 64 000 problem gamblers shows the need for further action in the field of problem gambling prevention. For this purpose, the high acceptance of measures for the protection of gamblers and minors should be utilised in order to particularly expand the range of environmental prevention measures.