PSYCH up2date 2017; 11(03): 243-262
DOI: 10.1055/s-0043-100462
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs im Dunkelfeld – das Hamburger Modell

Peer Briken
,
Wolfgang Berner
,
Annika Flöter
,
Vivian Jückstock
,
Fritjof von Franqué

Subject Editor: Prof. Dr. Klaus Lieb, Mainz
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Publication History

Publication Date:
16 May 2017 (online)

Sollte Menschen, die ein sexuelles Interesse an Kindern haben, die Missbrauchsabbildungen nutzen oder befürchten, sexuelle Missbrauchshandlungen an Kindern zu begehen, ein Therapieangebot im Dunkelfeld gemacht werden? Sollte dies ein zentraler Bestandteil der Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs sein? Wie sollte ein solches Angebot aussehen, damit es das Ziel, die Prävention von Kindesmissbrauch, erfüllen kann?

Kernaussagen

Sexueller Kindesmissbrauch und pädophile Störung sind nicht das gleiche. Die pädophile Störung ist eine psychische Störung, sexueller Missbrauch ein Straftatbestand. Da aus dem Hellfeld bekannt ist, dass das Risiko für die erneute Begehung eines sexuellen Kindesmissbrauchs bei pädophilen Sexualstraftätern besonders hoch ist, wird eine pädophile Störung auch bei Personen aus dem Dunkelfeld als bedeutsamer Risikofaktor angesehen. Allerdings können eine Reihe weiterer Faktoren zu einem Risiko für sexuelle Übergriffe Kindern gegenüber beitragen. Eine möglichst effektive Therapie richtet sich am Risiko und den Risikofaktoren aus sowie an Merkmalen, welche die Ansprechbarkeit für Therapie erhöhen. Hierzu kommen verschiedene psychotherapeutische und medikamentöse Verfahren zur Anwendung.