Rehabilitation
DOI: 10.1055/s-0043-102135
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Implantation einer Hüft- oder Knietotalendoprothese und die Inanspruchnahme einer Anschlussrehabilitation

Total Hip and Knee Arthroplasty – Utilization of Postoperative RehabilitationS. Ritter1, J. Dannenmaier1, S. Jankowiak1, R. Kaluscha1, G. Krischak1, 2
  • 1Institut für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm, Bad Buchau
  • 2Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, Federseeklinik, Bad Buchau
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Publication Date:
30 May 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Nach der Akutbehandlung bei Implantation einer Hüft- oder Knietotalendoprothese (TEP) erfolgt meist eine sich daran anschließende Rehabilitationsmaßnahme, entweder unmittelbar im Anschluss oder nach vorangegangener häuslicher Übergangszeit. Aber auch eine ausschließlich ambulante Nachbehandlung ohne Rehabilitation ist möglich. Ziel der Arbeit war die Analyse von personen- und behandlungsbezogenen Faktoren auf die Inanspruchnahme der jeweiligen Nachbehandlung.

Methode Auf Basis eines verknüpften Datensatzes bestehend aus Routinedaten der AOK Baden-Württemberg sowie der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg erfolgte eine sektorenübergreifende Analyse des Versorgungsgeschehens. Mittels 2 logistischer Regressionsmodelle (Backward-Selektion) wurden Prädiktoren der Inanspruchnahme einer Anschlussrehabilitation (AR) sowie einer häuslichen Übergangszeit getrennt für Hüft- und Knie-TEP-Patienten ermittelt.

Ergebnisse Von 9 232 Hüft-TEP-Patienten nahmen 82,6% eine AR entweder direkt nach dem Akutaufenthalt (58,7%) oder nach häuslicher Übergangszeit (23,9%) in Anspruch. Jüngere, männliche und nicht-deutsche Hüft-TEP-Patienten gingen dabei deutlich seltener zur AR. Von den insgesamt 7 656 Knie-TEP-Patienten nahmen 83,9% eine AR in Anspruch, 59,7% direkt und 24,2% mit Übergangszeit. Dabei waren ebenfalls soziodemografische Merkmale für die Inanspruchnahme prognostisch bedeutsam. Die Analyse zeigte, dass die Inanspruchnahme einer AR sowohl von Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit, als auch von Komorbiditäten, Behandlungen sowie Medikamentenverordnungen beeinflusst wird.

Schlussfolgerung Die Ergebnisse liefern Hinweise auf eine höhere Fallschwere von direkt verlegten Patienten, was für eine bedarfsorientierte Inanspruchnahme einer Rehabilitation spricht. Dennoch lassen einige Anhaltspunkte für bestimmte Patientengruppen eine Unterinanspruchnahme vermuten.

Abstract

Background After total hip and knee arthroplasty, patients have different options of subsequent treatment: an early postoperative rehabilitation, with or without a period at home, or only outpatient services. The aim of this study was to identify factors predicting the utilization of an early postoperative rehabilitation.

Methods This cross-sectoral analysis is based on claims data of AOK Baden-Württemberg (Statutory Health Insurance), Deutsche Rentenversicherung Bund and Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg (German Pension Insurance). Predictors for participation in an early postoperative rehabilitation and for an interim period were determined using logistic regression analysis.

Results 82.6% of 9 232 patients were going to an early postoperative rehabilitation after total hip arthroplasty. After total knee arthroplasty, 83.9% of 7 656 patients were utilizing postoperative rehabilitation. Moreover, there was less utilization of postoperative rehabilitation in young, male and foreign patients. The analysis shows that the utilization of post-acute rehabilitation was significantly predicted by sociodemographic variables (age, sex, nationality) as well as comorbidity, outpatient treatment and medication.

Conclusion The results provide an indication of higher severity of patients in group “postoperative rehabilitation without a period at home”. Nevertheless there are some indications for under-utilization of certain patient groups.

 
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