Handchir Mikrochir plast Chir 2017; 49(01): 29-36
DOI: 10.1055/s-0043-102854
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ergebnisse nach Fingerendgliedreplantation – Ist der Aufwand gerechtfertigt?

Results After Distal Digital Replantation – Is It Worth The Effort?
David Braig
1  Medizinische Fakultät, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
,
Jan R. Thiele
1  Medizinische Fakultät, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
,
Vincenzo Penna
1  Medizinische Fakultät, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
,
G. Björn Stark
1  Medizinische Fakultät, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
,
Steffen U. Eisenhardt
1  Medizinische Fakultät, Klinik für Plastische und Handchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht 18 September 2016

akzeptiert  19 January 2017

Publication Date:
19 April 2017 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund

Fingeramputationsverletzungen der Zone 1 und 2 nach Tamai stellen gewöhnlich lediglich eine relative Replantationsindikation dar. Im Gegensatz zur primären Stumpfbildung sind Replantationen sehr aufwändig und erfordern spezielle supermikrochirurgische Fähigkeiten, da hier häufig Gefäße mit einem Durchmesser von lediglich 0,3–0,8 mm anastomosiert werden müssen. Darüber hinaus ist ein längerer stationärer Aufenthalt notwendig und die Zeit bis zur Arbeitsfähigkeit ist verlängert. Eine Replantationsindikation ist daher nur zu rechtfertigen, wenn die zu erwartenden funktionellen und ästhetischen Vorteile aus Sicht des Patienten und Arztes überwiegen.

Patienten und Methoden

Retrospektiv wurden alle Endgliedamputationen der Zonen 1 und 2 nach Tamai zwischen 9/2009 und 7/2014 untersucht, bei denen ein Replantationsversuch erfolgte. Der Erfolg der Replantation, der Heilungsverlauf und die funktionellen Ergebnisse wurden in Anlehnung an die Arbeiten von Yamano bewertet.

Ergebnisse

Im Untersuchungszeitraum wurden 11 Replantationsversuche bei 6 vollständigen und 4 subtotalen Endgliedamputationen und einer Pulpaamputation durchgeführt. Bei 8 Patienten gelang eine erfolgreiche Replantation mit Langzeiterhalt der Fingerendglieder (73%). In 3 Fällen (27%) war eine Amputation und Stumpfbildung notwendig. Die mittlere Operationszeit der Replantation betrug 3 h 56 min. Von den 8 erfolgreich durchgeführten Replantationen konnten 6 Patienten (75%) (mittlerer Nachbeobachtungszeitraum 19 Monaten) nachuntersucht werden. 5 von 6 Patienten waren mit dem Ergebnis zufrieden und würden erneut eine Replantation einer primären Stumpfbildung vorziehen. 4 von 6 Patienten berichteten über eine gute Funktion der Fingerendglieder im Alltag und Beruf zu verfügen und die betroffenen Finger ohne Einschränkungen einsetzen zu können. 2 Patienten klagten über eine eingeschränkte Funktion. Alle konnten in ihren alten Beruf zurückkehren und waren schmerzfrei. Von den 12 betroffenen Fingernerven wiesen 11 Nerven eine 2-Punkte Diskrimination (2-PD) von≤15 mm auf; 3 davon eine 2-PD zwischen 7 und 10 mm und 4 davon sogar eine 2-PD von<6 mm. Ästhetisch beeinträchtigend waren Atrophien bei 3 Replantaten sowie eine Onychodystrophie bei 2 Patienten.

Schlussfolgerung

Distale Fingerreplantationen sind zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll. Bei Erfolg führen sie zu einer hohen Patientenzufriedenheit mit guter Handfunktion. Aufgrund der guten Ergebnisse sollte die Indikation zum Replantationsversuch großzügig gestellt werden.

Abstract

Background

There are only relative indications for distal digital replantation in zones 1 and 2 according to Tamai. In contrast to primary closure for fingertip amputations, replantation is a complex procedure that requires skills in supermicrosurgical techniques, as vessels with diameters between 0.3–0.8 mm are connected. In addition the time spent in hospital and the time off from work are longer. Distal digital replantation is thus only indicated, if the expected functional and aesthetic benefits surmount those of primary closure.

Patients and Methods

We retrospectively analysed all fingertip amputations in zone 1 and 2 according to Tamai between 9/2009 and 7/2014 where we attempted distal digital replantation. The success of replantation, wound healing and functional results were evaluated according to Yamano.

Results

We performed 11 distal digital replantations in the study period. There were 6 total amputations, 4 subtotal amputations and 1 avulsion of the digital pulp. Revascularisation with long-term reattachment of the amputated tissues was possible in 8 cases (73%). In 3 cases (27%) secondary amputation closure was necessary. The mean operating time was 3 h 56 min. 6 patients, which had a successful replantation, were available for follow-up examinations after a mean period of 19 months. 5 patients were satisfied with the result and would again prefer replantation over primary amputation closure. 4 patients reported a good function of the replanted digits and did not complain about any limitations in their use. 2 patients complained about restricted function. All patients could return to their previous places of employment and were free of pain. Of the 12 affected digital nerves 11 nerves had a 2-point discrimination (2-PD) of ≤15 mm, 3 of them had a 2-PD between 7 and 10 mm and 4 of them of <6 mm. Soft tissue atrophy was obvious in 3 replanted digits and nail deformities in 2 patients.

Conculsions

Distal digital replantation is complex and technically challenging. It leads to high patient satisfaction with only minimal functional limitations, if successful. Due to the good results that can be obtained by these procedures, fingertip replantation should be attempted, if operative risks are minimal and if requested by the patient.