Notarzt 2017; 33(02): 82-88
DOI: 10.1055/s-0043-105617
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Die Thoraxdrainage

Chest Tube InsertionH. Gässler, L. Lampl, M. Helm
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Publication Date:
18 April 2017 (online)

Die Entlastung des Pleuraraums mittels Thoraxdrainage ist in der prähospitalen Notfallmedizin eine eher selten durchgeführte Maßnahme. Dennoch sollte sie von jedem Notarzt sicher beherrscht werden, da sie bei richtiger Indikationsstellung einen lebensrettenden Eingriff darstellt. Dieser Artikel beschreibt die korrekte Durchführung der Thoraxdrainagenanlage und erläutert deren Notwendigkeit und Indikationen.

Abstract

Chest decompression and insertion of a chest tube is rather infrequent in pre-hospital emergency medicine. Nevertheless, it should be well known by every emergency physician as it is a life-saving procedure if correctly indicated, primarily within the scope of trauma treatment. In addition to the interpretation of trauma kinematics, clinical examination of the patient plays an essential role in the diagnosis of pneumo- or haemothorax, potentially supplemented by lung ultrasound. Decompression of the pneumothorax is carried out in open surgical technique by thoracostomy and subsequent insertion of a large-bore chest tube. In case of trauma-associated cardiac arrest, an improvement in survival has been shown for this procedure. The most common complication after pre-hospital performance is malposition of the tube, serious complications are rare. This article describes the correct performance of pre-hospital thoracostomy/chest tube insertion and explains its necessity and indications.

Kernaussagen
  • Die Pleuradekompression ist, vor allem im bodengebundenen Notarztdienst, eine vergleichsweise selten notwendige Maßnahme. Dennoch muss sie von allen am Rettungsdienst teilnehmenden Ärzten sicher beherrscht werden.

  • Indikationen zur prähospitalen Anlage einer Thoraxdrainage sind:

    • der (vermutete) Spannungspneumothorax,

    • der Pneumo-/Hämatothorax beim beatmeten Patienten,

    • die respiratorische Insuffizienz beim Spontanatmenden mit Pneumo- oder Hämatothorax.

  • Die Pleuraentlastungspunktion mittels Kanüle ist lediglich als überbrückende Maßnahme zu sehen, ihr sollte immer die Anlage einer Thoraxdrainage folgen.

  • Die Anlage einer Thoraxdrainage erfolgt offen-chirurgisch als Minithorakotomie. Hierfür können als mögliche Lokalisation prähospital die Monaldi- oder die Bülau-Position gewählt werden.

  • Im Rahmen einer traumaassoziierten Reanimation soll vor Abbruch unter anderem immer eine beidseitige Pleuraentlastung durchgeführt werden, um einen Spannungspneumothorax als Ursache des Kreislaufstillstands sicher auszuschließen.